Fast schon wie ein Glaubensbekenntnis wird uns von Politik und Wirtschaft Tag für Tag vorgebetet, wie groß die Not schon ist in der Wirtschaft, wie viele Fachkräfte in Mangelberufen oder Fachkräfte ganz allgemein fehlen oder, auf tieferem Niveau, wie viele offene Stellen es gibt. Ein eigentlich nicht zu vertretender Schaden für die Wirtschaft, hat man den Eindruck. Aufträge können nicht mehr angenommen oder nicht termingerecht abgewickelt werden wegen des Personalmangels. Ja, es ist ein Jammer. Es zeigt aber auch, dass die Wirtschaft gut läuft. Das ist die eine Seite der Medaille. Die Wirtschaft boomt, die Steuereinnahmen für den Staat erreichen Höchststände. Und es könnte noch besser sein, gäbe es nicht den Arbeitskräftemangel. Es gibt zwar viele Arbeitslose und in einer Gruppe davon werden es täglich mehr, aber die scheinen aus irgendwelchen Gründen für den Arbeitsmarkt nicht greifbar zu sein. Aber halt und einmal kurz nachgedacht. Bevor man jetzt, wie es zum Teil gefordert wird, von irgend woher Massen an potentiellen Arbeitskräften holt, sollte man überlegen. Was ins Land kommt, sind im günstigsten Fall Arbeitskräfte. Das ist aber weit weg von Fachkräften und unter realistischer Einschätzung sind diese Arbeitskräfte nicht jetzt, sondern irgendwann in der Zukunft einsetzbar. Und im ungünstigsten Fall kommen Sozialfälle. Und irgendwann in der Zukunft ist es wieder vorbei mit der Hochkonjunktur; in der Wirtschaft gibt es abwechselnd Hochs und Tiefs und das jetzige Hoch dauert schon ziemlich lang. Kommt es zu einem Tief, dann wird man nichts mehr hören von Arbeitskräftemangel, sondern von steigenden Arbeitslosenzahlen. Und es mehren sich Anzeichen für eine Konjunkturflaute in der Eurozone, auch die EZB sieht Wachstum in der Eurozone schrumpfen. Was ist das größere Problem: Zu wenig Arbeitskräfte oder zu viele Arbeitslose?

Die Gesellschaft wird aber auch darauf vorbereitet, dass sich die Arbeitswelt für viele Bereiche in den nächsten Jahren oder doch erst in ein, zwei Jahrzehnten gravierend ändern wird. Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ wird angekündigt, dass viele Arbeitsplätze entfallen werden. Es gibt Studien, die von bis zu einem Drittel ausgehen. In Deutschland sollen allein in den kommenden 5 Jahren einer Studie zufolge etwa 3,5 Millionen Stellen wegfallen, in Österreich wird es anteilmäßig nicht anders ausschauen. Dafür kommen Automaten, Roboter, mehr Digitalisierung. Die Politik fordert schon vermehrten Einsatz von KI, von künstlicher Intelligenz. Freilich gibt es Sparten, in denen der Mensch kaum ersetzt werden kann und es werden auch neue Berufsbilder entstehen. Aber in Summe wird die Zahl der Arbeitskräfte zurückgehen uns somit sollen sich Wirtschaft und Politik gemeinsam und gut überlegen, was nötig ist.

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