Dem französischen Präsidenten Macron ist nicht zu helfen; er lernt nichts dazu. Kaum ist es wegen des Leibwächter- Skandals (oder war er doch mehr als nur sein Leibwächter?) etwas ruhiger in den Medien geworden, sorgt Macron für den nächsten Aufreger. Er reiste jetzt auf die Karibik- Insel Saint Martin, die vor einem Jahr von einem schlimmen Hurrikan heimgesucht wurde; vielleicht wartete er mit dem Besuch, bis alles wieder halbwegs aufgebaut war. Die Insel ist ja zur Hälfte französisches Überseegebiet, gehört somit zur EU und die offizielle Währung der Karibik- Franzosen ist der Euro. Der südliche Teil der Insel, als „Sint Maarten“ bekannt, gehört übrigens zu den Niederlanden. Dort also ließ sich Macron auch mit zwei jungen dunkelhäutigen Männern fotografieren und diese Bilder sorgen jetzt für Empörung. Nicht nur, dass er sich an einen der Kerle schon fast aufdringlich dran hängt, zeigt dieser junge Mann mit nacktem Oberkörper auch noch den Stinkefinger – ausgerechnet Richtung Macron. Und der zweite junge Mann auf der anderen Seite Macrons macht mit der Hand ein Zeichen, bei dem es sich um den „Teufelsgruß“ handeln könnte. Die Empörung über diese Bilder war nicht nur in Frankreich groß, aber das war noch nicht alles. Die beiden jungen Männer wurden erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen; sie verbüßten eine Strafe wegen eines Überfalls. Und Macron sagte, darauf Bezug nehmend, er liebe „jedes Kind der Republik, egal, welche Dummheiten es begeht“. Das oder die Opfer des Überfalls interessieren ihn anscheinend nicht. Mit dieser Einstellung steht er unter den Politikern der EU aber nicht allein da.

Auch sonst läuft es bei Macron nicht so recht nach Plan. Der Umweltminister ist nicht nur zurückgetreten, er hat seinen Rücktritt auch noch bei einer Pressekonferenz angekündigt. Dann ist die Sportministerin zurückgetreten und jetzt hat der Innenminister das Handtuch geworfen, will wieder Bürgermeister von Lyon werden. Dabei war der Innenminister ein enger Vertrauter Macrons, unterstützte ihn beim Aufbau seiner Bewegung „En Marche“. Zusätzlich zur Personalflucht kommen auch ständig fallende Beliebtheitswerte. Nur noch drei von zehn Franzosen billigen seinen Reformkurs. Laut Meinungsforschern liegt seine Partei nur mehr knapp vor den „Front National“ bzw. „Rassemblement National“, wie der neue Name von Marine Le Pens Partei lautet. Die Beliebtheitswerte Macrons sind schon etwa auf dem Niveau seines Vorgängers Hollande und da meinten die Franzosen, es ginge nicht tiefer. Und jetzt wurde ein Mitarbeiter der französischen Generaldirektion Heimatschutz verhaftet, weil er Staatsgeheimnisse verkauft haben soll, wie berichtet wird. Da kann zwar Präsident Macron nichts dafür, aber womöglich wird man sagen, er sei dafür verantwortlich.

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