Diese Formulierung kann man nicht mehr als Frage stellen, sondern man kann sie eigentlich nur als Fakt nehmen, wenn man die Vorgeschichte kennt: Im vergangenen Mai trat ja, wie jeder Mensch zwangsweise erfahren musste, die von der EU ausgeschnapste Datenschutzgrundverordnung, auch als DSGVO bekannt, in Kraft. Von dem Zeitpunkt an ist nichts mehr, wie es vorher war. Unternehmer, Versicherungen, Banken usw. lassen sich von Kunden und Partnern alles mögliche bezüglich Daten bestätigen, um ja nicht wegen „Datenmissbrauchs“ in Teufels Küche zu kommen. Blogger haben sogar aufgehört zu schreiben, um ja nicht Gefahr zu laufen, wegen Verstößen vor dem Kadi zu landen und „um Haus und Hof“ gebracht zu werden.

Jetzt ist aber in Wien etwas passiert, was alles Bisherige schlägt. Der Mieter einer Gemeindewohnung von „Wiener Wohnen“ (habe ich jetzt eh nicht gegen die DSGVO verstoßen?) beschwerte sich darüber, dass er sich auf Grund seines Namens auf der Türklingel in seiner Privatsphäre gestört fühlt. Er befand das als mangelnden Datenschutz. Auf Anfrage von „Wiener Wohnen“ erklärte die für Datenschutzangelegenheiten zuständige Magistratsabteilung 63, dass „die Verbindung von Nachname und Wohnungsnummer gegen die DSGVO verstoße“. Jetzt müssen bei etwa 220.000 Wohnungen die Schilder an den Türklingeln ausgetauscht werden gegen irgendwelche Wohnungsnummern. Das wird eine lustige Sache werden für Briefträger, Prospektverteiler, Paketzusteller etc. Und: Es wird sich nicht nur auf Wien beschränken und es betrifft auch Privatvermieter und Genossenschaften. Da wird man ganz sicher dann des Öfteren die berechtigte Frage hören: „Sind die wahnsinnig geworden?“ Wobei offen bleibt, wem die Frage gilt. Allerdings, und das entschärft die Sache etwas, dürfen die Mieter die offiziellen Schilder mit der Wohnungsnummer mit einem Namensschild überkleben. Das darf die Hausverwaltung offiziell nicht machen. Laut ARGE Daten ist diese Lösung die „einzige rechtskonforme Vorgangsweise“. Eine Verpflichtung zur Anonymität gibt es allerdings schon seit 1980, aber seit Inkrafttreten der DSGVO gibt es für Datenschutzverletzungen empfindliche Strafen. Richtig lustig wird es allerdings dann, wenn irgendwelche „Witzbolde“ beginnen, die nachträglich wieder oberflächlich angebrachten Namensschilder zu vertauschen. Die Sache mit den Namensschildern an der Türklingel ist in Wien allerdings nicht ganz neu. Schon vor mehr als einem Jahr wurde bei Gemeindebauten begonnen, die Namen gegen sogenannte Top- Nummern auszutauschen. Es wurde aber den Mietern zugesagt, dass sie zusätzlich den Namen anbringen dürfen.

Vielleicht fällt irgendwelchen geistigen Tieffliegern auch zu Briefen oder Paketen etwas ein. Dort haben für Absender und Empfänger ja auch Namen und sogar Adressen angeführt zu sein. Könnte das nicht auch gegen den Datenschutz verstoßen, müsste das nicht auch durch einen Code ersetzt werden? Darf auf der E- Card, dem Führerschein, der Kreditkarte etc. eigentlich der Name stehen? Dem Wahnsinn sind keine Grenzen mehr gesetzt.

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