Jahrelang wurde politisch korrekt und tolerant nichts getan, nur weggeschaut und immer betont, dass ja alles in bester Ordnung sei. Dabei war (und ist) allgemein und schon lange bekannt, dass an unseren Schulen gar nichts in Ordnung ist. Wegen der politischen Korrektheit und einer übergroßen Portion Toleranz wurde auch auf Warn- undHilferufe von Lehrpersonal wie z. B. der Lehrerin Susanne Wiesinger wegen Gewalt an den Schulen nicht reagiert. Bis jetzt war es zumindest so. Spät, aber doch scheint ein Umdenkprozess in Gang zu kommen. Dieser Umdenkprozess kommt aber nicht von den eigentlich Zuständigen, nämlich von der Politik oder der Personalvertretung, sondern von der Polizei und da wird gesagt, was Sache ist. Ein Polizeisprecher fordert nämlich nicht mehr und nicht weniger, als bei Gewalt gegen Lehrer gleich hohe Strafen wie bei Gewalt gegen Polizeibeamte im Dienst. Das heißt, es würde schnell einmal ein Strafrahmen von mehreren Jahren unbedingter Haft drohen. Diese Verschärfung wird aber nicht nur für Gewalt gegen Lehrer gefordert, sondern für Gewalt gegen alle „gefährdeten Berufe“.

Jetzt ist die hohe Politik gefordert, dieses auf den Nägeln brennende Problem endlich und schnell zu lösen. Das, was bis jetzt vom Wiener Stadtschulratspräsidenten in dieser Sache gemacht wurde, ist ja nicht mehr als Spiegelfechterei. Außer sinn- und ergebnislosen Diskussionen gab es nichts, auch wenn betont wurde, dass es an den Schulen „Null Toleranz gegen jede Form der Gewalt“ gebe. Warum bei den Diskussionen auch Vertreter der Religionsgemeinschaften dabei waren, wird wohl auch nur der Stadtschulrat wissen. Und wenn der Strafrahmen gegen alle „gefährdeten Berufe“ erhöht wird, dann soll zusätzlich auf eines nicht vergessen werden. Es wäre allerhöchste Zeit, die Strafmündigkeit von jetzt 14 Jahren zu senken auf z. B. 12 Jahre. Es gibt nämlich schon viel zu viele Intensiv- und Wiederholungstäter unter 14 Jahren, die nach jetziger Rechtslage nicht belangt werden dürfen. Die Opfer junger, strafunmündiger Täter wären sicher froh über eine Gesetzesänderung. Wer heute jemanden niederschlagen oder ausrauben oder stechen kann oder dealt, ist kein Kind mehr, auch wenn er noch nicht 14 Jahre alt ist. Wer das kann, der kann sich auch vor Gericht verantworten.

Und zurück zu jenen, die gewarnt und um Hilfe gerufen haben und deswegen angefeindet wurden; schon Kurt Tucholsky wusste: „Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht“.

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