Die SPÖ ist erleichtert, sie ist nicht mehr führungslos. Pamela Rendi- Wagner hat die Führung des zuletzt nur mehr zerstrittenen roten Haufens übernommen, wurde von 97,8 Prozent der Delegierten gewählt. Und das, obwohl schon lange vor dem Parteitag von „Parteifreunden“ begonnen wurde, an ihrem Stuhl zu sägen. Aber wer hätte den Job sonst übernehmen wollen? Sie kann berechtigt sagen: Niemand wollte diesen Job; ich bekam ihn leicht. Der Parteitag in Wels. Eine denkwürdige Lokalität. Dort trat einst der Ex- Kanzler Kern mit seinem „Plan A“ vor die Delegierten. Dort begann keine neue rote Ära, sondern, so könnte man es sehen, der Abschied Kerns. Kern war auch dieses Mal dabei. Es wurde ihm eine letzte, nicht enden wollende Rede gewährt. Und er zog alle Register der Rhetorik, zeigte sich als Einpeitscher, heizte die Stimmung an, nannte Rendi- Wagner eine „wandelnde Kampfansage an die Regierung“. Optimismus war angesagt. Rendi- Wagner will die erste Bundeskanzlerin Österreichs werden, wie sie unter viel Beifall erklärte. Nicht nur weil sie so gut ist, sondern weil sie eine Frau ist. Dafür muss sie sich aber erst bis zur nächsten Wahl an der SPÖ- Spitze halten und muss sich die Partei gewaltig ändern und zu alter Größe zurückfinden. Mit Zweckoptimismus und ein paar Slogans wie „Rendi rennt“ oder „Yes we Pam“ ist auf Dauer kein Blumentopf zu gewinnen. Und in Wels hat sich wieder bestätigt, dass 95 Prozent der Politik Inszenierung ist, wie Ex- Kanzler Kern einst sagte. Aber um das schmerzhafte Joch der Opposition abschütteln zu können, reicht Inszenierung nicht. Da werden aber ein paar kamerawirksame Verbalangriffe auf die Regierung auch nicht ausreichen und da sind auch 650 begeisterte Anhänger, wie jetzt in Wels, zu wenig. Das weiß Rendi- Wagner aber sicher auch. Und sie weiß sicher auch, dass der Weg zurück in die Regierung oder gar auf den Kanzlersessel beschwerlich ist. Doch schon die Hoffnung lässt die Gesichter strahlen und Belastendes, von dem es in letzter Zeit einiges gab, vergessen.

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