Einst wurde die Idee geboren, bei uns verurteilte ausländische Straftäter zur Verbüßung ihrer Haft in heimatliche Gefängnisse zu überstellen. Abgesehen von einer Entlastung unserer Gefängnisse, die ja mittlerweile mehrheitlich von Ausländern überfüllt sind und einer Entlastung des Justizwachepersonals, auch “Häfenaufseher” genannt, würde das auch finanzielle Vorteile für den österreichischen Staat bringen. Auch für die Häftlinge würde es Vorteile bringen. Sie könnten die von österreichischen Richtern häufig sehr rücksichtsvoll verhängten Haftstrafen in gewohnter Umgebung absitzen, sich mit Wächtern und Zellengenossen in der Muttersprache unterhalten. Sie könnten dadurch auch besser reintegriert und resozialisiert werden und sie hätten heimische Kost usw. Allerdings war die Idee besser als die Realität, wie sich zeigte. 2016 konnten laut Medienbericht noch 202 Häftlinge mit etwa 250.000 noch “offenen” Hafttagen, das entspricht im Schnitt fast dreieinhalb Jahren Haft pro Häftling, in ein Heimatgefängnis überstellt werden. Das entsprach laut Justizministerium einer Einsparung von etwa 30 Millionen für den österreichischen Staatssäckel.
  Allerdings, und das ist das Problem, gibt es mit vielen Heimatländern unserer sehr vielen ausländischen Gefängnisinsassen keine Überstellungsabkommen. Die meisten dieser Länder zeigen wenig bis gar kein Interesse an der Überstellung ihrer kriminellen Staatsbürger. Heuer waren es bis zum 20. November bescheidene 98 Personen, die in heimatliche Gefängnisse überstellt wurden. Davon stammten mehr als die Hälfte aus nur zwei EU- Staaten. Für Afrika, den Nahen und Mittleren Osten und den arabischen Raum blieb da, falls überhaupt wer dorthin überstellt wurde, nicht viel übrig. Aber selbst bei existierenden Abkommen wird eine Überstellung immer schwieriger. Es muss gewährleistet sein, dass im jeweiligen Heimatland die menschenrechtlichen Standards eingehalten werden. Es muss sichergestellt sein, dass es keine menschenunwürdige Behandlung gibt. Es müssen die Haftbedingungen passen usw. Und das sind die Gründe, warum immer weniger Straftäter in ihre Heimat überstellt werden. Wünschenswert wäre demnach, weltweit die Gefängnisse nach österreichischem Standard zu betreiben, den beispielsweise das 2005 eröffnete Gefängnis in Leoben bietet. Da wurde nicht umsonst von einem “Luxus- Häfen” oder “Designer- Gefängnis” gesprochen, mit Multimedia- Saal, Bibliothek, Sportanlagen usw. Ja, hätten doch alle Länder Gefängnisse und Haftbedingungen nach österreichischem Vorbild, wären Überstellungen sicher kein Problem. Aber anderswo ist Haft auch heute noch Haft und kein wellnessähnlicher Aufenthalt. Anderswo werden Täter noch als Täter gesehen und behandelt.
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