Bundespräsident Van der Bellen ist mit seiner Frau auf Staatsbesuch im Libanon und er besuchte dort eines der großen Flüchtlingslager. Der Libanon, ein kleines Land neben Israel und Syrien mit etwa 4,5 Millionen Einwohnern, hat ja mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge im Land und laut UNHCR weist es die weltweit größte Flüchtlingsdichte auf. Von irgendwelchen Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen wird ja immer wieder der Vorwurf erhoben, dass Österreich viel zu wenig Flüchtlinge aufnehme, dass das „Boot ja noch lange nicht voll“ sei und für die Flüchtlinge viel zu wenig tue. Trotz all dieser Vorwürfe leben die Flüchtlinge und Asylwerber in Österreich aber fast wie im Paradies im Vergleich zum Libanon. „Der Libanon“, sagt ein Rot- Kreuz- Mitarbeiter, „geht sehr gastfreundlich , gleichzeitig aber auch pragmatisch mit Flüchtlingen um“. Sie dürfen bleiben und auch arbeiten, solange in Syrien Krieg herrscht. Wenn sich die Lage in Syrien verbessert, müssen sie aber zurück in ihre Heimat.

Genau darum geht es. Wer, z. B. wegen Krieg, in ein anderes Land flüchten muss, dem ist Schutz zu gewähren. Schutz auf Zeit. So sieht es auch die Genfer Flüchtlingskonvention vor und genau das macht der Libanon, obwohl dadurch das Land über Gebühr belastet wird. Die Menschen werden versorgt. Sie bekommen, teils vom Libanon, teils vom UNHCR, vom Internationalen Roten Kreuz oder anderen Organisationen, alles Lebensnotwendige von Unterkünften bis zum elektrischen Strom. Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass der UNHCR den Lagern im Libanon schon vor ein paar Jahren die Hilfsmittel gekürzt bzw. gestrichen hat. Die Flüchtlinge dürfen aber nicht auf Dauer bleiben und viele Flüchtlinge kehrten vom Libanon auch schon wieder in ihre syrische Heimat zurück, denn im Großteil des Landes ist der Krieg beendet. Bei den Flüchtlingen im Libanon zeigt sich auch: Dort sind die Syrer, die entweder nicht das Geld hatten, sich nach Europa abzusetzen oder die so plötzlich flüchten mussten, dass sie einfach zur nächsten Grenze flüchteten. Auch mit dem Wunsch, in die Heimat zurückzukehren. In Europa hingegen werden die Flüchtlinge stillschweigend zu Migranten umetikettiert, von Rückkehr wird nicht mehr gesprochen und auch nicht von den Problemen, die sie machen können. Und von den Leistungen, die den Flüchtlings- Migranten in Europa geboten werden, können die echten Flüchtlinge, z. B. im Libanon, nicht einmal träumen.

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