Kürzlich wurde in einem Artikel über Privatkonkurse in Österreich geschrieben. Es wurde darüber geschrieben, dass die Anzahl der Privatkonkurse stark angestiegen ist und auch darüber, dass die durchschnittliche Verschuldung ein Rekordhoch erreicht hat. Das alles darf eigentlich nicht verwundern. Seit heuer ist es ja wesentlich einfacher, Privatinsolvenz anzumelden, da es – zumindest theoretisch – die bisher gesetzliche zehnprozentige Mindestquote nicht mehr gibt. Das dürfte der Hauptgrund sein, warum es im abgelaufenen Jahr etwa 10.000 Privatpleiten gab mit Gesamtschulden von mehr als 1,5 Milliarden Euro, wobei die durchschnittliche Schuldenquote bei 167.000 Euro lag. Es gibt aber auch relativ viele pleite gegangene Unternehmer mit wesentlich höheren Schulden, die das neue Insolvenzrecht in Anspruch nehmen.

Wie ist es allerdings möglich, dass sich Privatpersonen dermaßen verschulden können, dass der einzige Ausweg der Privatkonkurs ist? In Zeiten wie diesen ist doch über Privatpersonen so gut wie alles bekannt, lässt sich von Unternehmen so gut wie alles – inklusive Schulden – abfragen, gibt es, neben fragwürdigem Datenschutz, bei den Banken wahrscheinlich immer noch „schwarze Listen“ mit den Namen nicht kreditwürdiger Personen und trotzdem nimmt die Verschuldung am Privatsektor zu. Wie ist das möglich; werden die Leute dazu gedrängt, sich z. B. im Versandhandel unentrinnbar zu verschulden, ist es z. B. Autohändlern egal, ob ihre Kunden die Raten zahlen können oder nicht, wird grundsätzlich mit Krediten und Kauf auf Raten zu großzügig umgegangen? Ist das gesunde kaufmännische Denken verkümmert, nicht mehr existent und zählen nur mehr Umsatzzahlen? Die Gesamtsumme der Schulden bei den Privatinsolvenzen liegt, wie gesagt, bei mehr als 1,5 Milliarden und auch wenn es einen Zahlungsplan gibt, ist meist nicht viel bis gar nichts zu holen. Es sterben aber nicht nur große, welt- oder europaweit agierende Konzerne um ihr Geld. Konzerne, die solche Verluste locker wegstecken, die sie vielleicht sogar gegenrechnen mit den (eventuell nicht) bezahlten Steuern. Nein, es sterben auch kleine, lokale Unternehmen um ihr Geld und für solche Unternehmen können Ausfälle durch Privatpleiten sogar existenzbedrohend werden. Die fragen sich dann natürlich zu Recht, ob es den Privatpleitiers nicht zu leicht gemacht wird. Und wenn sie sagen, dass diese Art der Entschuldung eigentlich erlaubter Betrug ist, muss man ihnen fast Recht geben. Das darf man aber nicht laut sagen.

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