Präsident Trump hat jetzt bekannt gegeben, dass die in Syrien offiziell als „Berater“ tätigen US- Soldaten abgezogen werden. Allerdings hat er das im vergangenen April auch schon angekündigt, aber daraus ist nichts geworden. Jetzt gibt es jedoch Berichte, dass nach Angaben des Weißen Hauses die USA schon mit dem Rückzug ihrer Soldaten aus Syrien angefangen haben und Präsident Trump twitterte: „Wir haben den IS in Syrien besiegt, das war mein einziger Grund, während der Trump- Präsidentschaft dort zu sein“.

Ist diese Meldung über den Rückzug der US- Truppen aus Syrien die Friedens- und Weihnachtsbotschaft dieses Jahres und ist damit zu rechnen, dass in ganz Syrien jetzt der Krieg beendet ist und Friede einkehrt? Eher nicht. Die etwa 2.000 US- Soldaten in Syrien sind hauptsächlich im Nordosten Syriens entlang der Grenze zur Türkei stationiert und unterstützen die kurdischen Einheiten der PKK und YPG und andere Oppositionsgruppen im Kampf gegen den IS, aber auch gegen die regulären Assad- Truppen. Der IS ist noch längst nicht besiegt. Der US- Geheimdienst schätzt, dass noch etwa 15.000 IS- Kämpfer in Syrien sind. Ob da die Mitglieder anderer Terrorgruppen mit eingerechnet sind, ist nicht bekannt. Die Behauptung Trumps, der Sieg über den IS sei der Grund für den Abzug der US- Kämpfer, darf man also nicht so eng sehen und es ist auch nicht der wahre Grund. Es ist auch weniger ein Abzug, sondern mehr ein Rückzug, ein schneller Rückzug sogar. US- Nachrichtendienste sprechen nämlich davon, dass der Abzug „rapidly“ stattfinden soll. Was ist aber der Grund für die verdächtige Eile? Der Grund ist schlicht und einfach, dass die Türkei militärisch gegen die Kurden im syrischen Grenzgebiet zur Türkei vorgehen will. Es soll bald passieren und es soll eine große Offensive werden. Wenn sich da mittendrin US- Soldaten aufhalten, wären Kämpfe zwischen Soldaten der NATO- Staaten Türkei und USA unvermewidbar, ein Albtraum für die NATO. Die schlimmst Vorstellung wären aber tote US- Soldaten als Folge türkischer Artillerie- oder Luftangriffe. Deswegen also der Ab- bzw. Rückzug, der dieses Mal ernst gemeint sein dürfte. Wenn die US- Soldaten Syrien verlassen haben, dann ist auch das Kapitel abgeschlossen, dass sie sich laut Völkerrecht sowieso widerrechtlich und illegal im Land aufgehalten haben. Das betrifft auch die Soldaten aller anderen Staaten.

Ein Ende des Krieges in Syrien ist also weiterhin nicht absehbar. Er wird im Gegenteil in nächster Zeit durch die Türkei noch angeheizt werden. Erdogan scheint sich gegen Trump in der Kurdenfrage durchgesetzt zu haben. Die „Flucht“ der US- Soldaten lässt sich jedenfalls so auslegen.

Nachtrag am 21. 12. 2018: Wie ich eben lese, hat Erdogan die Offensive nach Absprache mit Präsident Trump zumindest verschoben. Das könnte sich auch auf den US- Abzug auswirken. Hier ist der Artikel:

 

 

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