Brexit hin, Brexit her, Brexit über alles. Die Medien scheinen in den letzten Tagen nur mehr ein Thema zu kennen: Den (angeblich) bevorstehenden) Austritt der Briten aus der „Wertegemeinschaft“ EU samt den Geschichten rund um die britische Premierministerin May und die britische Regierung. „Angeblich“ deswegen, weil ich der „Wertegemeinschaft“ EU zutraue, so charakterlos zu sein und der britischen Regierung das Angebot zu machen, auf Abstimmungsergebnis und EU- Austritt zu pfeifen, in den Schoß der EU- Familie zurückzukehren und dort auf immer und ewig (oder bis zum Ende der EU) zu verbleiben. Es ist ja wirklich so; im Fernsehen genau so wie in Zeitungen oder regierungs- bzw. EU- freundlichen Webseiten hört und liest man nur die Meinungen EU- freundlicher Moderatoren und Redakteure so wie die Kommentare und Meinungen genau so EU- freundlicher Kommentatoren. Wie können sich all diese Leute anmaßen, über die Zukunft Bescheid zu wissen? Wieso können diese Leute behaupten, was nach dem Brexit auf Großbritannien, aber auch auf die EU an Ungemach zukommt? Sie verkaufen Vermutungen und Befürchtungen als Gewissheit. Es beruht sehr viel auf Schwarzmalerei und Panikmache. Die EU selbst betont ja immer wieder, und das schon fast auffällig, alles Machbare für einen geordneten Brexit zu tun und getan zu haben. Tatsache ist aber, dass sie gar nicht erfreut darüber ist, dass ein Mitglied „den Klub“ von sich aus verlassen will. Tatsache ist auch, dass die EU den anderen – auch den künftigen – Mitgliedern ein für alle Mal die Lust an einem Austritt oder schon den Gedanken daran verleiden will. Genau deswegen ist es nicht besonders glaubwürdig, dass die EU alles Machbare gemacht haben soll, den Briten einen geordneten Austritt zu ermöglichen. Da geht es ja auch ums Geld. Großbritannien hat zwar bis zuletzt den sogenannten „Thatcher- Rabatt“ gewährt bekommen, aber trotzdem bezahlten die Briten umgerechnet etwa 13 Milliarden Euro in den EU- Topf ein. Jetzt wird oft behauptet, dieser Betrag müsse jetzt von den anderen Mitgliedern aufgebracht werden, weil diese Summe im EU- Budget ja fehle. Das stimmt aber so nicht ganz, denn die Briten bekamen ja von der EU wieder mehr als 7 Milliarden an Fördergeldern zurück und somit fehlen der EU tatsächlich zwischen 5 und 6 Milliarden. Ein gewaltiger Unterschied.

Vom „Brexit- Chaos“ ist also die Rede, von „No Deal“, von einem „harten Brexit“, von „Horrorszenarien“usw. Man hört aber so gut wie nichts von gemäßigten, von beruhigenden Stimmen. Von Stimmen, die sagen: „Ja, am Anfang wird es sicher nicht optimal laufen, aber das wird sich wieder einpendeln; ging ja vorher auch“. Und man hört auch niemanden sagen: „Gehen wir vorerst zurück auf den Zustand, bevor es die ganzen Verträge und Abkommen gab. Das funktionierte damals und das wird wieder funktionieren.“ Und in der jetzigen oder besser gesagt kommenden Situation wird es für die Briten von Vorteil sein, dass sie weder den Euro haben noch zum Schengen- Raum gehören. Und ganz wichtig: Die Briten können wieder über sich selbst entscheiden. Und es liegt an ihnen selbst, ob und wie sie dieses Privileg der Selbstbestimmung auch wieder nutzen.

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