Während bei SPÖ, FPÖ, NEOS und Grünen die Spitzenkandidaten für die EU- Wahl längst bekannt waren, hat die türkis/ schwarze ÖVP erst jetzt das Rätsel um die Kandidaten gelöst und somit ist nur mehr die Pilz- Sekte namens JETZT ausständig mit der Benennung eines Spitzenkandidaten; vielleicht wird es der Grün- Pensionist Voggenhuber. Bei der türkis/ schwarzen ÖVP trat jetzt das ein, was viele, je nach Ansicht, erwartet oder befürchtet haben: Von Kanzler Kurz wurde Karas wieder zum Spitzenkandidaten gemacht. Ist irgend jemandem eigentlich bekannt, dass Karas nicht nur Delegationsleiter der ÖVP- Truppe im EU- Parlament ist, sondern sogar Vizepräsident des EU- Parlaments? Viele werden sich fragen, warum Karas wieder Spitzenkandidat wurde. Die Antwort ist wahrscheinlich, dass er es versteht, Vorzugsstimmen zu sammeln. Bei der kommenden Wahl dürfte die Jagd nach Vorzugsstimmen aber keine „g`mahde Wies`n“ für Karas sein. Mit der Staatssekretärin Edtstadler, die als Nummer zwei in die Wahl geht, hat der „Alt- Brüsseler“ eine starke Konkurrentin um die Stimmenmehrheit bekommen und der Ex- ORF- Mann Pircher als Neueinsteiger wird sicher auch nicht zu unterschätzen. Meist hört man von Karas nur, wenn er aus Brüssel über die österreichische Politik und auch über die ÖVP – seine Partei – schimpft und den Lehrmeister spielt. Den letzten Ausrutscher lieferte er, als Österreich bzw. Kanzler Kurz aus dem Migrationspakt ausstieg.

Die Entscheidung des Kanzlers begünstigt hat wahrscheinlich auch ein Video, welches Karas veröffentlichte und in dem er betonte, wieder für die ÖVP antreten zu wollen. Da war keine Rede mehr davon, wie es ja eine Zeit lang gerüchteweise zu hören war, dass er mit einer eigenen Namensliste antreten wolle. Ein Teil des gewohnten Wahlkampfgesäusels im Video war, dass er davon überzeugt sei, dass man „mit Haltung, Mut und Prinzipien Mehrheiten für das Unpopuläre, aber Bessere erreichen kann“. Und er bekräftigte: „Das ist mir bisher gelungen. Und das ist heute notwendiger denn je“. Unter Unpopulärem, aber Besserem versteht Herr Karas wahrscheinlich in erster Linie seine Bestrebungen, „gegen die Anti- EU- Populisten, die Europa zerstören wollen“, zu kämpfen. Er tritt offen für eine Entmachtung der Nationalstaaten ein, will alle Macht an Brüssel abgeben. Ja, er ist ein „überzeugter Europäer“. Und sagt das offener als z. B. Kanzler Kurz, der letztendlich ja auch zu allem ja und amen sagt, was von Brüssel kommt. Auffällig bei Karas: Er spricht immer von Europa und meint die EU.

In einem ORF- Gespräch vor ein paar Monaten bediente Karas alle potentiellen Wählerschichten und erklärte seine Strategie. Es sollen, so sagte er, Wähler aus dem rechten wie auch aus dem linken Lager angesprochen werden. Es soll „nach vorne“ gegangen werden. Die Sorgen und Ängste der Menschen (schau, schau; nicht nur jene der Wähler) sollen ernst genommen und nicht damit gespielt werden, wie es Populisten machen. Wahlkampfgesäusel eben. Aus Erfahrung weiß man allerdings, was nach der Wahl ansteht. Da heißt es dann: „Der Mohr – pardon, der Wähler – hat seine Schuldigkeit getan, …“

Für die EU- Wahl gilt übrigens auch, was für andere Wahlen gilt und was der ehemalige bayerische Ministerpräsident Seehofer so erklärte: „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden“.

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