Bulgarien, das ja seit 2007 zu EU gehört, ist wieder einmal ins Gerede gekommen. In diesem bis in die Regierung hinein korrupten und kriminellen Balkan- Staat werden bzw. wurden (das Geschäft soll, wenig glaubwürdig, jetzt beendet worden sein) Staatsbürgerschaften und somit EU- Pässe mit allen Vorteilen verkauft. Nutznießer der illegalen Praktiken waren hauptsächlich Albaner und Mazedonier, die sich gegen Schmiergeld gefälschte Herkunftsbescheinigungen kauften, mit denen sie bulgarische Wurzeln vortäuschten und so zu Bulgaren wurden. Etwa 40.000 neue Staatsbürgerschaften wurden mit diesem Trick und viel „Bakschisch“ von bulgarischen Beamten in den vergangenen fünf Jahren verkauft und die Beamtin, die den Skandal schon 2016 aufdeckte, hat sich dadurch massiven Ärger eingehandelt. Durch das Aufdecken hat sie sich einflussreiche Feinde bis in Regierungskreise geschaffen.

Der lukrative Geschäftszweig des Handels mit Staatsbürgerschaften und Reisepässen ist aber kein Privileg der Bulgaren, das machen auch andere. Schon vor fünf Jahren, Anfang 2014, konnte man in einer deutschen Zeitung lesen: „Gegen Gebühr bürgert Rumänien massenhaft Bewohner seiner Nachbarrepublik Moldau ein. Deutsche Innenminister sind alarmiert: Sie befürchten mehr Armutszuwanderung und Missbrauch durch Kriminelle“. Gegen Gebühr und mit Nachweis rumänischer Wurzeln konnten die Antragsteller exklusive EU- Bürger werden, das dauerte aber ein Weilchen. Es ging auch einfacher und schneller, aber teurer. Nämlich mit gefälschten Dokumenten und reichlich Schmiergeld. Und gefälschte Papiere konnten fast überall „gleich um die Ecke“ gekauft werden. Laut Zeitungsartikel vergaben die rumänischen Behörden alleine 2011 und 2012 ungefähr 150.000 mal die Staatsbürgerschaft, hauptsächlich an Moldawier. Und die Nachfrage nach dem rumänischen EU- Pass stieg seither deutlich an. Die Moldawier wiederum, die hinter den rumänischen EU- Pässen her sind, verkaufen ihre Staatsbürgerschaft an gut betuchte Bürger aus Nicht- EU- Staaten. Für 250.000 Euro können z. B. Russen oder Bürger aus der Kaukasus- Region den begehrten Pass erwerben. Mit dem sind nämlich seit 2014 visumfreie Reisen in die EU möglich. Mit dem rumänischen Pass ist aber die Angebotsliste von von EU- Staatsbürgerschaften noch lange nicht erschöpft. Vor ein paar Jahren kam Zypern (natürlich nicht das türkische Nord- Zypern) ins Gerede, weil es den zypriotischen EU- Pass zur Handelsware für reiche Investoren machte. Und das Geschäft lief gut; binnen einiger Jahre flossen etwa 4 Milliarden Euro in die leeren Staatskassen. Auch Malta mischte in dem Geschäft mit, genau so wie Griechenland, Irland, Portugal und Ungarn. Auch von Österreich hört man öfters, dass für ein hochpreisiges Angebot der rot- weiß- rote Pass zu haben ist. Obwohl der andererseits auch häufig verschleudert wird.

Die Bulgaren sind also nicht die Einzigen, die den EU- Pass verkaufen. Man kann ihnen nur den Vorwurf machen, dass bei diesem Handel von Staatsbürgerschaft und Reisepass sehr viel Schmiergeld im Spiel ist, während für die Staatskasse wenig abfällt. Wegen des Handels an sich müsste nämlich fast die halbe EU an den Pranger gestellt werden. Der Unterschied ist, ob das Geschäft der persönlichen Bereicherung dient oder den Staatsfinanzen. Denn grundsätzlich verboten ist das Geschäft ja nicht.

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