So manche EU- Staaten wollen ihren vermeintlichen Mangel an Fachkräften aus anderen EU- Ländern abdecken. Ärzte und Krankenschwestern aus Rumänien, wie es besonders in Deutschland üblich ist. Oder Schweißer und Montagearbeiter aus Ungarn, wie es in Österreich gemacht wird. Oder Personal für die Gastronomie aus Tschechien, wie es wiederum in Österreich häufig anzutreffen ist. Und ginge in Österreich noch was ohne slowakische Pflegerinnen in der privaten Alten- und Krankenpflege? Das sind aber nur ein paar Beispiele in einer ellenlangen Liste von ausländischen Fachkräften alleine in Österreich. Es wird aber nicht nur in Österreich von einem nie enden wollenden Wirtschaftsboom ausgegangen und andere Länder gehen ebenso den einfachsten Weg, an die gefragten Arbeitskräfte zu kommen: Man holt sie aus wirtschaftlich schwächeren EU- Ländern, man lockt diese Leute mit Geld. Ist ja auch der einfachste Weg; man spart sich den Großteil der Ausbildung und die Leute sind vielleicht auch noch billiger als einheimische Kräfte. Dass die Leute irgendwann in ihren Heimatländern fehlen könnten, juckt hierzulande niemanden. Die betroffenen Länder aber schon. Aus dem Grund will Rumänien jetzt bei der Abwanderung von Fachkräften die Notbremse ziehen. Es arbeiten nämlich zwischen fünf und sieben Millionen Rumänen im Ausland. Das sind zwar nicht alles die in westlichen EU- Staaten gefragten und gerne umworbenen Spitzen- und Schlüsselfachkräfte; es sind auch Hilfsarbeiter und sogar Bettler dabei. Es fehlen aber schon “zigtausende Ärzte und Pfleger im Gesundheitssystem, es fehlen Bauarbeiter, die Straßen und moderne Bürohäuser errichten und es fehlen IT- Spezialisten, die die Digitalisierung der Wirtschaft voranbringen”, sagte jetzt der rumänische Außenminister in einem Interview mit einer deutschen Zeitung. Als erste erfolgreiche Maßnahme gegen die Abwanderung wurden die Löhne für Ärzte erhöht; die ersten Mediziner kehrten schon zurück. Mit Lohnerhöhungen bei anderen Berufsgruppen sollen für Fachkräfte Anreize geschaffen werden, nach Hause zurückzukehren oder erst gar nicht ins Ausland zu gehen.
  Wenn diese rumänischen Maßnahmen erfolgreich sind, müssen sich Länder wie Österreich oder Deutschland was einfallen lassen; erst recht, wenn das auch andere Länder machen. Da ja, wie im Fall Österreichs, Abwerbungen in Drittstaaten mittels Rot- Weiß- Rot- Card auch nicht besonders erfolgreich sind und die Massen an Asylberechtigten eher die Zahl der Arbeitslosen und Mindestsicherungsbezieher erhöhen als den Fachkräftemangel beheben, bleibt eigentlich nur eines übrig: Die eigenen Leute entsprechend qualifizieren, sie weiter zu bilden und auch auf die immer noch zu vielen Arbeitslosen zuzugreifen. Da muss es aber auch für Unternehmen attraktiv und überlegenswert gemacht werden, auf ältere Langzeitarbeitslose zurückzugreifen.
  Die vor einigen Jahren von der Politik gemachten vollmundigen Versprechen, dass die Flüchtlinge und Asylwerber ja bestens ausgebildet und hoch motiviert seien und den Fachkräftemangel beheben würden, haben sich längst als ausgewachsener Flop, wenn nicht gar als Lüge entpuppt. Wir haben in erster Linie Konsumenten bekommen, aber keine Fachkräfte.
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