Als Ende 2010 der sogenannte „Arabische Frühling“ über Nordafrika, die Arabische Halbinsel und den Nahen Osten hereinbrach, zu Massenprotesten, Unruhen und Bürgerkrieg führte und ein paar autoritär herrschende Staatsoberhäupter gestürzt wurden bzw. zurücktreten mussten, hofften viele der Hoffnungslosen in den betroffenen Ländern auf Besserung. Bald aber kehrte Ernüchterung ein. Der „Arabische Frühling“ hatte sich ohne große Veränderungen totgelaufen, in Libyen und Syrien aber kam es zu einem Krieg mit intensiver westlicher Beteiligung. Libyen wurde schnell in einen „failed State“ zerbombt und in Syrien hält der Krieg bis heute an. Eine erhoffte Demokratisierung blieb in der ganzen Region aus, die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich eher.

Nach Jahren relativer Ruhe geht es aber in Algerien wieder los. Am 18. April soll in Algerien wieder gewählt werden und der Langzeit- Machthaber Bouteflika will sich für eine fünfte Amtszeit wählen lassen. Er ist 81 Jahre alt und wegen eines schweren Schlaganfalles gesundheitlich schwer angeschlagen. Er wird im Rollstuhl geschoben, kann sich kaum bewegen und verständlich machen. Das Land wird nicht von ihm regiert, sondern von einem Mix aus Militärs, Politikern und Geschäftsleuten und diese Leute können sich auf keinen Nachfolger einigen, der ihre Interessen vertritt. Die erneute Kandidatur der Marionette Bouteflika war dann der Auslöser, dass trotz eines Demonstrationsverbotes tausende Algerier auf die Straße gingen, wo sie von der Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas auseinander getrieben wurden. Anfang März weiteten sich die Demonstrationen aus, in ganz Algerien gingen Zehntausende auf die Straßen; Oppositionsparteien haben zu einem Wahlboykott aufgerufen. Mittlerweile gibt es fast täglich Massendemos, es handelt sich um die schwersten Proteste seit Jahrzehnten und ein Aufstand ist nicht mehr auszuschließen. Mit Sorge beobachtet nicht nur Europa im Allgemeinen die Entwicklung in Algerien, sondern Frankreich im Besonderen; Frankreich hat Millionen von Staatsbürgern mit algerischen Wurzeln. Algerien war ja bis 1962 eine französische Kolonie und jetzt wird gemutmaßt, dass sich im Fall eines Aufstandes oder ganz einfach bei Verschärfung der Lage tausende oder hunderttausende Algerier Richtung Europa, Richtung Frankreich aufmachen könnten. Zu ihren Bekannten und Verwandten oder nur wegen der gemeinsamen Sprache und der Hoffnung auf Arbeit. Denn einer der Auslöser der Unruhen ist ja die triste wirtschaftliche Situation eines großen Teils der Bevölkerung und die hohe Arbeitslosigkeit. Beides gibt es aber auch in den Nachbarländern Algeriens und somit könnte ein Aufstand in Algerien der Zündfunke für einen Flächenbrand in Nordafrika und/oder in der arabischen Welt sein. Mit schlimmen Konsequenzen für Europa.

Wenn man hinter das vordergründige Bild schaut, kommt ein grundsätzliches Problem dieser riesigen Region zum Vorschein. Es ist das extreme Bevölkerungswachstum. Das Schaffen von Arbeitsplätzen kann mit der zu schnell wachsenden Bevölkerung nicht Schritt halten. Arbeitslosigkeit und damit verbundene Armut sind aber die Wurzeln allen Übels.

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