Die Vereinten Nationen gaben eine Studie in Auftrag, den Global Environment Outlook (GEO), der bei der Umweltkonferenz in Nairobi veröffentlicht wurde. (Wussten Sie übrigens, dass in den Slums von Nairobi, eigentlich ist es eine zusammenhängende Großstadt, geschätzte 1,7 Millionen Menschen leben?) Sechs Jahre lang haben 250 Wissenschaftler an der Studie gearbeitet und das Ergebnis ist niederschmetternd. Umweltprobleme sind eine gravierende Krankheitsursache und verantwortlich oder mitverantwortlich für bis 25 Prozent aller Todesfälle weltweit“, heißt es in der Studie, deren Untertitel „Gesunder Planet, gesunde Menschen“ lautet. Besser passen würde vielleicht „Kranker Planet, kranke Menschen“. Dass der Planet Erde krank ist, wird uns fast täglich vor Augen geführt. Wir kriegen Milder zu sehen von Meerestieren, die an Plastikmüll im Magen zugrunde gingen. Es wird uns gezeigt, dass die komplette Nahrungskette voll Mikroplastik ist und dass dieses Zeug schon in den abgelegensten und in den tiefsten Stellen der Meere anzutreffen ist. Es ist aber noch ein weiter und mühsamer Weg, das Plastikproblem (vielleicht) in den Griff zu bekommen und ein Verbot von Plastiksackerln, Trinkhalmen, Plastikbesteck etc. in der EU ist nicht viel mehr als eine gut gemeinte Geste. In Laos z. B. und in Myanmar habe ich mit Einheimischen über die Unmengen an Plastik in den Gräben neben den Straßen, bei uns noch als Seitengraben bekannt, gesprochen. Da wie dort wurde mir in annähernd gleichen Worten erklärt, dass das in Ordnung ist. Wenn der Monsun kommt, dann wird alles weggeschwemmt ins Meer und dann ist es hier wieder sauber, hieß es.

Es gibt aber nicht nur das Plastikproblem. Ein weiteres großes Problem in vielen Teilen der Welt ist die Verseuchung und Verschmutzung des Wassers. Abwässerr aus der Landwirtschaft, aus der Industrie, aus den Haushalten und fehlende Sanitäranlagen schaffen es, dass man Leitungswasser nicht mehr trinken kann, ohne gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen. Auch fehlende Kläranlagen tragen ihren Teil dazu bei. Die Bevölkerung nimmt zu, die Umwelt bleibt auf der Strecke. In vielen Ländern, z. B. Indien oder Äthiopien (weiß ich aus eigener Erfahrung) wird sogar abgeraten, Leitungswasser zum Zähneputzen zu verwenden und die Hotels stellen dafür in Flaschen abgefülltes Wasser zur Verfügung. Gutes, trinkbares Leitungswasser – bei uns (noch) eine Selbstverständlichkeit, in vielen Teilen der Welt aber eine Wunschvorstellung. Auch die Luftverschmutzung fordert ihren Tribut, sie kostet jährlich etwa 7 Millionen das Leben. Wenn man die Bilder von den extrem smogbelasteten Großstädten wie Mexiko City oder Peking oder Delhi etc. sieht, verwundert das auch nicht mehr. In vielen Ländern sind fehlende Müllabfuhr und Müllverbrennungsanlagen ein Teil des Problems. In jedem Dorf, in jeder kleineren Stadt wird vor den Läden Tag für Tag der zusammengekehrte Mist, großteils Plastikzeugs, mangels Müllabfuhr einfach am Straßenrand verbrannt. Selbst gesehen in Laos und Myanmar.

Die Wissenschaftler weisen auch auf die zunehmende Gefahr durch Superkeime hin. Es gibt mittlerweile Krankheitserreger, für die es fast keine Gegenmittel mehr gibt, sogenannte multiresistente Keime. Dazu gehören die sogenannten Krankenhauskeime. Der Hauptgrund, der zum Entstehen der multiresistenten Keime führte, ist der massive Einsatz von Antibiotika in der Lebensmittelproduktion. Egal ob in der industrialisierten Fischzucht oder generell in der Massentierhaltung; egal ob Schwein, Huhn, Pute, Rind, ohne Antibiotika geht nichts mehr. Mit Antibiotika ist es aber, wie man sieht, auch ein Problem. Wer kann sich übrigens an den fast makabren Witz erinnern, demzufolge der Mensch eigentlich nicht mehr krank werden darf, weil er ja mit dem Verzehr von Fleisch aus Massentierhaltung auch schon die entsprechende Dosis an Antibiotika zu sich nimmt? Nur; wird er zum Vegetarier, besteht die Gefahr, dass er mit dem kommerziell produzierten (und teils von irgendwo her importiertem) Gemüse seine Extraportion Kunstdünger gratis dazu bekommt.

Die Erde hat ein Problem; eigentlich hat es der Mensch. Der Mensch hat es versäumt – teils aus Gewinnstreben, teils aus Nachlässigkeit, teils aus Unwissenheit – die Probleme zeitgerecht anzugehen. Noch ist es nicht ganz zu spät. Ob aber ein notwendiges gravierendes Umdenken durchsetzbar und die Lösung der finanziellen Herausforderung  möglich ist, ist ungewiss. Man könnte aber auch sagen: Der Mensch an sich ist das Problem, die Spezie hat sich zu stark vermehrt und ist zum Problem geworden.

„Die Erde braucht die Menschheit nicht, aber die Menschheit braucht die Erde“.

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