Österreichs Innenminister Kickl will Asylwerbern als Entschädigung für gemeinnützige Arbeiten nur mehr 1,50 Euro pro Stunde bezahlen bzw. diese Entschädigung österreichweit vereinheitlichen und jetzt fegt deswegen ein Sturm der Entrüstung über den Innenminister hinweg und auch über Kanzler Kurz, der den Plan unterstützt. „Es ist respektlos, Menschen mit einem Stundenlohn von 1,50 Euro abzufertigen“, entrüstet sich beispielsweise der grüne Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi und hat dem Minister auch gleich einen Brief geschrieben. Die Katholische Aktion -OÖ formuliert ihre Empörung über dieses Vorhaben noch deftiger. Da heißt es in einem Artikel, dieses Ansinnen sei in höchstem Maß unmoralisch, inhuman und ein Schlag ins Gesicht von Hilfsbedürftigen. Die Kärntner Integrationslandesrätin meldet sich mit: „Die Forderung geht in Richtung fünf Euro, weil hier sonst die Gefahr eines Lohndumpings droht“, zu Wort und ein Vorarlberger Politikwissenschaftler sprach in dem Zusammenhang sogar von „Zwangsarbeit“. Sogar schwarze Landeshauptleute stellen sich gegen den Kickl- Vorschlag. Vorarlbergs Landeshauptmann Wallner meint, mit vier Euro pro Stunde seien freiwillige Tätigkeiten möglich, „mit 1,50 Euro wohl nicht“. Tirols LH Platter will die Verordnung und alle Zahlen und Fakten genau prüfen. Auch Oberösterreichs LH Stelzer legt sich quer, sagt: „Das Land OÖ hat sich für einen Stundenlohn von fünf Euro entschieden …“

Es sind „natürlich“ sämtliche im Asylwesen tätigen Hilfsorganisationen und einige politische Parteien als Ganzes gegen die Pläne Kickls. Ein Teil des Widerstandes ist aber sicher der Tatsache geschuldet, dass diese Pläne vom FPÖ- Mann Kickl kommen und da wird auch ganz bewusst überhört, was Kickl im Vorfeld zu seinen Plänen sagte. Er wies nämlich darauf hin, dass Asylwerber, und es geht nur um Asylwerber und nicht um sogenannte anerkannte Flüchtlinge, für ihre Remunerantentätigkeiten häufig wesentlich besser entlohnt werden als Zivil- oder Grundwehrdiener beim Bundesheer. Und man darf auch nicht außer acht lassen oder geflissentlich verdrängen, dass den Asylwerbern eine Rundumversorgung zuteil wird und ihnen auch noch Taschengeld geboten wird. Und wenn jemand von „respektlos“ oder von „unmoralisch“ gegenüber den Asylwerbern wegen der Forderung von 1,50 Euro pro Stunde spricht, der verhält sich im selben Atemzug respektlos und unmoralisch gegenüber den einheimischen Zivil- und Grundwehrdienern, die nicht mehr als 1,50 Euro pro Stunde oder sogar weniger bezahlt bekommen. Diese „Respektlos“- Schreier sind häufig auch diejenigen, welche gerne das Wort „Diskriminierung“ in den Mund nehmen. Denen ist wohl bei ihren jetzigen Forderungen nicht bewusst, dass sie Zivil- und Grundwehrdiener damit diskriminieren. Und noch ein gravierender Unterschied: Wer von der Stellungskommission als tauglich eingestuft wird, ist als österreichischer Staatsbürger per Gesetz dazu verpflichtet, Zivil- oder Grundwehrdienst zu leisten. Ein Asylwerber hingegen ist nicht verpflichtet, Remunerantentätigkeiten zu leisten. Der werte Herr Politikwissenschaftler aus dem „Ländle“ sollte vielleicht einmal in sich gehen und darüber nachdenken, ob sein Sager von der „Zwangsarbeit“ wirklich intelligent war. Und im Übrigen gibt es viele Österreicher, welche Hilfstätigkeiten freiwillig und zum Nutzen der Allgemeinheit unentgeltlich machen. Und niemand nennt es respektlos und und unmoralisch, wenn diesen der Allgemeinheit dienenden Menschen für ihre gemeinnützigen Tätigkeiten gar nichts bezahlt wird.

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