Schon lange vor dem Wahltermin wurde mehrmals ausführlich über die kommende Präsidentenwahl in der Ukraine und über die Kandidaten berichtet und jetzt, am 31. März, war die Wahl und es gab, wie bei jeder Wahl, strahlende Sieger und lange Gesichter. Der strahlende Sieger war der TV- Schauspieler und Komiker Selenskij. Der lag ja bei allen Umfragen der letzten Zeit schon weit vor dem Noch- Präsidenten Poroschenko, dem „Schokoladenkönig“, und auch weit vor der Ex- Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, der „Gasprinzessin“ und Merkel- Freundin, die wegen Korruption auch eine Weile im Gefängnis saß. Die aber auch die NATO überreden wollte, Russland mit Atombomben anzugreifen und die Putin gerne persönlich eine Kugel in den Schädel jagen wollte.

Jetzt ist also die Wahl vorbei, zumindest die erste Runde, und der strahlende Sieger Selenskij kam auf etwas über 30 Prozent. Der Noch- Präsident Poroschenko, der mit massiven Korruptionsvorwürfen konfrontiert ist, liegt bei knapp 17 Prozent. Poroschenko gewann übrigens 2014 die Präsidentenwahl gleich im ersten Durchgang mit 55 Prozent. Julia Timoschenko, über die ein österreichisches Blatt letztens schrieb: „Die Rückkehr einer Heiligen, Kriegerin und Kümmerin“, erreichte gerade 13 Prozent. Das mit der Rückkehr ging also kräftig daneben. Die Kandidatenliste für diese Wahl war übrigens weltrekordverdächtig; es gab 39 Kandidaten. Am 21. April ist die Stichwahl zwischen Selenskij und Poroschenko. So wie es jetzt aussieht, dürfte Selenskij der nächste ukrainische Präsident werden. Wenn nicht etwas Unvorhersehbares passiert; ein Unfall z. B. oder eine Verhaftung.

Wenn man jetzt wirklich zynisch wäre, dann könnte man sagen: Die Ukrainer hatten lange nichts zu lachen, vielleicht ändert sich das unter einem Präsidenten Selenskij. 2014 gab es ja den Maidan- Putsch, bei dem der rechtmäßige Präsident verjagt wurde, er flüchtete nach Russland. Und dann begann der Bürgerkrieg, in dem sich zwei Regionen für unabhängig erklärten und die Krim sich nach einer Volksabstimmung wieder Russland anschloss. Die Menschen in der Ukraine hofften, dass ihnen die EU und die USA helfen würden. Die Menschen wurden enttäuscht, es geht ihnen heute schlechter als vorher und die Machthaber sind seit dem Putsch korrupter als vorher. Das mögen die Gründe sein, warum ein Komiker die Wahl gewann. Timoschenko hat anscheinend mit einem Sieg gerechnet, denn sie will das Wahlergebnis nicht anerkennen, spricht von Wahlfälschung und Betrug. Und bei Poroschenko herrscht Panik. Er fordert alle unterlegenen Kandidaten auf, sich für die Stichwahl als pro- ukrainische Patrioten für ihn zu entscheiden. Ja, da sind Patrioten gefragt. Poroschenko fordert aber auch, dass sich Selenskij für einen Beitritt zur NATO und zur EU entscheidet. Zur Erinnerung: Das Für und Wider um ein geplantes Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Ukraine war ja einer der Auslöser der Maidan- Demonstrationen. Dieses Abkommen ist längst in Kraft. Auch in der EU wurden jetzt die Häuptlinge durch das Wahlergebnis aufgeschreckt. Das Ukraine- Abenteuer kostete zwar schon viele Milliarden Euro, aber die EU- Leute verstanden sich gut mit Poroschenko, da störten auch die Faschisten in seinem Umfeld nicht und auch nicht die Neonazis in den Freiwilligen- Einheiten der ukrainischen Armee im Kampf gegen die sogenannten Separatisten.  Poroschenko war übrigens auch schon als Gast von Bundespräsident Van der Bellen beim Opernball in Wien.

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