Wenn man beim Wiener Krankenhaus Nord von einem „Pleiten- Pech- und Pannen- Projekt“ spricht, ist das höflich und zuvorkommend formuliert angesichts der Missstände, von denen die Öffentlichkeit erfuhr. Und ich spreche bewusst nur von den Missständen, welche publik gemacht wurden. Die Untersuchungskommission zu diesem Desaster- Krankenhaus könnte man sich sparen; sie ist zahnlos und die Mitglieder machen sich fast lächerlich. Oder wie sollte man es sonst bezeichnen, wenn der Altbürgermeister Häupl (oder wäre Ex- Bürgermeister passender?) bei der Befragung durch die Kommission meint, er sei „weder Baumeister noch Bauherr“ und er übernehme auch keine Verantwortung für Baustellen- Details. Bei Grundsatzentscheidungen wolle er jedoch die politische Verantwortung übernehmen. Und dann weiß er nichts über Personalentscheidungen, die das Management betreffen.

Die Befragung der ehemaligen Wiener Gesundheitsstadträtin Wehsely verlief ähnlich ernüchternd wie jene von Häupl. Frau Wehsely, die ja von der Politik in die Wirtschaft wechselte, nämlich zu einem Großkunden beim Krankenhaus Nord, provozierte die Untersuchungskommission mit ihren Antworten. Bezüglich Personalentscheidungen sagte sie, ungeachtet der Kostenexplosion beim Bau und der außer Kontrolle geratenen Terminsituation, sie würde heute wieder die gleichen Entscheidungen treffen. Im Übrigen nannte sie die Vorwürfe in Zusammenhang mit einer Sachverhaltsdarstellung „ungeheuerlich“ und sagte, es gehe hier „um Skandalisierung und sonst um gar nichts“. Sie sagte aber auch, sie hätte ihre Verantwortung ordentlich wahrgenommen und gute politische Arbeit geleistet. Sie sei aber für Kostenexplosion und Terminverzug nicht verantwortlich. Daran sei das Management schuld. Auch der Architekt und der ehemalige KAV- Generaldirektor wussten bei der Befragung durch die U- Kommission über sich selbst nur das Beste zu berichten. Der Architekt meinte: „Kritik ist berechtigt, aber nicht wegen meines Verschuldens“ und der ehemalige KAV- Chef sagte: Das Projekt ist zum Zeitpunkt meines Ausscheidens am 12. Dezember 2013 im Kosten- und Zeitplan gelegen“.

Wenn man die Ergebnisse der Befragung durch die U- Kommission betrachtet, wird man in abgewandelter Form an die berühmten drei Affen erinnert. In dem Fall: Nichts gesehen, nichts gehört, nichts gewusst, nicht verantwortlich. Das mit der Verantwortung ist sowieso ein heikles Thema bei Fällen, in denen die Politik ihre Finger drin hat, also zumindest bei allen öffentlichen Projekten. Gerichtsverfahren gab es bei solchen Projekten schon viele und falls da tatsächlich jemand „die Krot fressen“ musste, also verurteilt wurde, war das im Regelfall kein Politiker. Spätestens vor Gericht hat sich immer wieder bestätigt: Politiker sind nicht verantwortlich, sie sind höchstens zuständig. Und Dummheit ist nicht strafbar. Und es waren wohl dunkle Mächte am Werk, die das Milliarden- Desaster und den immensen Terminverzug beim KH Nord verursacht haben.