Die Ukraine hat gewählt und man glaubt es kaum, die Meinungsforscher behielten recht. Der Schauspieler und Komiker Selenskij gewann das Rennen um das Präsidentenamt gegen den amtierenden Präsidenten Poroschenko mit unglaublichem Vorsprung; er erreichte weit über 70 Prozent. So wie es die Meinungsforscher vorhersagten. Präsident Poroschenko (kann man schon Ex- Präsident sagen?), der 2014 die Wahl im ersten Durchgang mit absoluter Mehrheit gewann, wurde dieses Mal in der Stichwahl mit etwa 25 Prozent abgewatscht, bekam vom Wähler eine kräftige Ohrfeige. Es ist eine doppelte Niederlage: Einmal die Wahl verloren und dann auch noch gegen einen Polit- Neuling, einen Komiker und Schauspieler. Aber wer weiß; vielleicht wird für den Schauspieler das Präsidentenamt die Rolle seines Lebens. Der zweitklassige Schauspieler Ronald Reagan schaffte es, US- Präsident zu werden und „Termintor“ Schwarzenegger brachte es zum Gouverneur von Kalifornien. Man soll also nicht sagen, dass Schauspieler in der Politik nicht erfolgreich sein können. Und in Italien wurde die 5 Sterne- Bewegung ja auch vom Komiker Grillo angeführt. Und bei manchem Politiker wiederum möchte man meinen, er sei eigentlich ein Schauspieler.

Auf den vom Wähler gedemütigten Poroschenko kommt jetzt Ungemach zu, denn es erwarten ihn Verfahren wegen Korruption und vielleicht kommt noch mehr dazu. Er will aber, wie er nach der Wahl bekundete, in der Politik bleiben. Vielleicht hofft er auf politische Immunität, um die Verfahren abblocken zu können und eventuell drohender Haftstrafe zu entgehen. Die beim Wähler ebenfalls in Ungnade gefallene „Gasprinzessin“ Julia Timoschenko, ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin und Merkel- Freundin, dient ihm vielleicht als Warnung. Die saß nämlich wegen Amtsmissbrauch einige Jahre im Gefängnis, ehe sie rehabilitiert wurde.

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