Es ist eigentlich zu spät, darüber zu schreiben, da ja die Wahl schon fast begonnen hat. Der ukrainische Wahlkampf zur Stichwahl um die Präsidentschaft ist aber dermaßen außerhalb des Gewohnten; man weiß nicht so genau: Ist es Klamauk, Satire oder Realität? Der Titelverteidiger: Petro Poroschenko, der „Schokoladenkönig“. Ihm hängen einige Korruptionsverfahren wie ein Klotz am Bein. Er ist – immer noch, aber wahrscheinlich nicht mehr lange – bei EU- Häuptlingen sowie nationalen Regierungen und Präsidenten ein gern gesehener Präsidentengast, letztes Jahr war er sogar Ehrengast von Bundespräsident Van der Bellen beim Wiener Opernball. Gern gesehen bei den EU- Häuptlingen ist er deswegen, weil er den EU- und NATO- Beitritt anstrebt. Somit spielt es auch keine Rolle mehr, wie er zu seinem Vermögen kam und Präsident werden konnte und was in der Ukraine so abläuft und ablief.

Sein Herausforderer, der den ersten Wahldurchgang für sich entschied: Wolodymyr Selenski, ein Schauspieler und Komiker, aber kein Politiker. In seiner Paraderolle in einer TV- Serie spielt er einen Präsidenten. Und wenn man den Wahlprognosen glaubt, wird er der nächste ukrainische Präsident. Diese beiden gegensätzlichen Typen trafen jetzt im einzigen Wahlkampfduell im Stadion von Kiew aufeinander. Und sie schenkten sich nichts. Poroschenko schimpfte sein Gegenüber einen Amateur, ein unerfahrenes Leichtgewicht, einen unpatriotischen Wehrdienstflüchtling. und abschließend: „Wer Selenski wählt, kauft die Katze im Sack“. Worauf Selenski, nicht auf den Mund gefallen, antwortete: „Besser eine Katze im Sack als ein Wolf im Schafspelz“. Und dann attackierte er weiter: „Ja, ich bin kein Politiker. Ich bin das Ergebnis Ihrer Fehler. Sie sind ein Präsident der Oligarchen“.

Verlogene und korrupte Regierungen und Präsidenten haben die Ukrainer zu lange ertragen müssen. Vielleicht ist das der Hauptgrund, dass sie jetzt einem Komiker als Präsidenten nicht abgeneigt sind so nach dem Motto: Besser was zum Lachen als zum Ärgern. Und bei Umfragen liegt Selenski mit 73 Prozent in Führung. Ist es nicht zum Lachen, wenn man sich das lange Gesicht von Poroschenko vorstellt. Und von den EU- Führern, wenn sie den lieb gewonnenen Poroschenko verlieren und statt dessen ein völlig unbekannter und unberechenbarer Schauspieler ihr neuer Ansprechpartner wird. Andererseits; sitzen nicht auch in Brüssel jede Menge Polit- Schauspieler und wären sie mit Selenski dann nicht wieder unter sich? Die EU- Führer, die ja angeblich so viel von „den Werten“ halten, setzten bei Poroschenko auf einen „Werte- losen“ Partner und Oligarchenwirtschaft und Korruption werden ihn wohl zu Fall bringen. Und noch ein Kuriosum vom Wahlkampf: Selenski unterzog sich medienwirksam einem Drogentest und forderte Poroschenko auf, sich ebenfalls testen zu lassen. Er tat es auch.

Ein Journalist sagte über diesen Wahlkampf: „Mir gefällt es nicht, dass man suggeriert bekommt, man könne nur wählen zwischen einem Alkoholiker und einem Drogensüchtigen“.

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