Die UNO, genau der Weltbiodiversitätsrat, hat einen alarmierenden Bericht vorgelegt. Diesem Bericht zufolge sind in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weltweit eine Million Arten vom Aussterben bedroht. Im Bericht heißt es z. B.: „Die globale Rate des Artensterbens ist mindestens um den Faktor zehn bis hunderte Male höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre, und sie wächst“.

Eigentlich darf man sich nicht wundern. Wenn man vor ein paar Jahrzehnten an einem Sommertag gegen Abend mit dem Auto unterwegs war, dann waren nach kurzer Zeit Windschutzscheibe und auch Scheinwerfergläser mit „abgeschossenen“ fliegenden Insekten verklebt. Im Extremfall so stark, und wenn man mit Scheibenwischer und Scheibenwaschanlage sparsam umging, dass man schon beinahe eine Spachtel brauchte, die Scheibe zu reinigen. Und heute? Nichts; die Scheibe bleibt auch nach langen Fahrten an einem Abend im Sommer sauber. Der Grund dafür liegt aber nicht daran, dass bei heutigen Autos gegenüber den Autos von damals der cw- Wert, also der Luftwiderstandsbeiwert, um Häuser besser ist. Der Grund ist schlicht und einfach, dass es heute fast keine Fliegen, Mücken, Schmetterlinge, Motten usw. mehr gibt. War dieses simple Beispiel mit der Windschutzscheibe jemandem bewusst? Diese „abgeschossenen“ Insekten waren und sind am unteren Ende der Nahrungskette. Fehlen die Insekten als Futter, geht das zu Lasten der Vogelbestände usw.

Ein paar Schlüsselwörter zum Artensterben sind z. B.: Herbizide, Pestizide, intensive bis exzessive Landwirtschaft. Durch Herbizide verschwinden „Unkräuter“, deren Blüten wiederum Lebensgrundlage für Insekten sind und was an Insekten überlebt, muss erst mit den Pestiziden fertig werden. Das gilt nicht nur für die Landwirtschaft, das gilt auch für öffentliche Grünanlagen, Parks, Gärten genau so wie für private Gärten. Auch da wird (bzw. wurde) gerne zu Roundup und ähnlichen Mitteln gegriffen; weil es so super wirkt und im gepflegten Rasen hat eine Blüte kaum eine Chance. Und wo sieht man heute noch blühende Wiesen? Fast nirgends. Früher wurde eine Wiese zwei Mal im Jahr gemäht. Das waren noch Blumenwiesen, da konnte alles noch blühen. Heute wird bis zu fünf Mal gemäht, wie soll da noch was blühen können? Straßenböschungen werden gerodet, Feldraine abgeholzt, Gebüsche entfernt. Viele Kleintiere, Vögel etc. werden dadurch um Brutplätze, Unterschlupf und Futter gebracht. Und dann wundern wir uns über eine sterile Landschaft? Der zunehmende Wunsch der Menschen, im Sommer in die Berge, auf die Almen zu gehen, entspricht wohl dem Bedürfnis, eine noch einigermaßen intakte Umwelt genießen zu können.

Global betrachtet gibt es aber noch viel mehr und viel größere Probleme. Vermüllte und leer gefischte Meere, ölverseuchte und abgeholzte Regenwälder, zerstörte Küstengebiete, abgestorbene Korallenriffe usw. Und die Profitgier der Menschen. Die Menschheit steht vor einer Mammutaufgabe, wenn sie wirklich retten will, was noch zu retten ist.