Je näher der Termin für die EU- Wahl heranrückt, um so aggressiver wird der politische Diskurs. Die gegenseitigen Vorwürfe, Unterstellungen, Beleidigungen werden heftiger, beschränken sich nicht mehr auf politische Belange, werden auch persönlich. Und da es sich um eine EU- Wahl handelt und um keine nationale Wahl, ist der Themenbereich natürlich auch ein anderer. Und ein Blick auf die Themen der einzelnen österreichischen wahlwerbenden Parteien überrascht – oder auch nicht. Die erste Überraschung ist, dass die Kommunisten, die ja auf dem amtlichen Stimmzettel in Österreich aufscheinen, bisher – und sicher auch weiterhin – bei keinem TV- Duell der EU- Kandidaten dabei sind und das sicher aber nicht freiwillig. Da hört man auch von den anderen Kandidaten und auch von den TV- Moderatoren nichts von fehlender Chancengleichheit. Die zweite Überraschung ist, dass die Themen der einzelnen Parteien sich nur im Detail unterscheiden. Im Großen und Ganzen gilt für alle Parteien, also auch für die FPÖ: „Wir sind für die EU“. Die einen halt mehr, die anderen vielleicht weniger. Zum Regierungsprogramm in Österreich heißt es ja: Wir haben ein klares Bekenntnis zur EU abgelegt. Das heißt, die FPÖ befürwortet die EU genau so wie die ÖVP. Da sind sich aber alle Parteien einig. Einig sind sich im Wahlkampf aber auch alle im Kampf gegen die FPÖ und da sind sie nicht zimperlich und es ist allen egal, dass die ganzen Beschimpfungen, Unterstellungen und Beleidigungen nicht nur die Mandatare, sondern auch deren Wähler und somit etwa ein Viertel der Österreicher betreffen.

Der FPÖ wird von ihren politischen (und teilweise auch persönlichen) Gegnern vorgeworfen, zu hetzen und die Gesellschaft zu spalten. Nur; stimmt das wirklich und muss das stimmen? Ist es ein Tabubruch, einmal über das Gegenteil nachzudenken? Muss ein Viertel der Bevölkerung zwangsweise das Schlechte, das Verwerfliche, das Spaltende, das Böse repräsentieren (aus Sicht der sich selbst und gegenseitig als die guten und edlen und moralich höherwertig eingestuften Menschen), nur weil dieses eine Viertel die Ideologie von drei Vierteln der Bevölkerung oder zumindest Teile davon nicht akzeptieren will? Ist es ein ehernes Gesetz, dass die Idden und Vorstellungen der Mehrheit bedingungs- und kritiklos akzeptiert werden müssen?

Verschiedene Meinungen müssen toleriert werden, von allen Seiten. Das ist der Sinn von Toleranz. Eine Spaltung wird herbeigeführt durch Verblendete auf allen Seiten, in allen Lagern.

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