Laufend tauchen „verstörende“ oder „schockierende“ Videos auf, von Schülern mit ihren Smartphones in der Schule aufgenommen. Sie zeigen, ohne jetzt ins Detail zu gehen, großteils absolut untragbares und durch nichts zu entschuldigendes Verhalten von Schülern. Von jugendlichen Schülern im Pflichtschulalter, aber auch von erwachsenen Schülern, und mit etwa 18 Jahren ist man eigentlich erwachsen, die beispielsweise eine HTL besuchen. Und, da sind sich die Medien einig, in Wien ist es am schlimmsten. Dass es an Österreichs Schulen massive Probleme gibt, viel Gewalt, ist schon lange bekannt. (Dass den Lehrkräften aggressiven Schülern gegenüber die Hände gebunden sind, ebenfalls.) Diese Probleme durften aber nicht an die Öffentlichkeit gebracht werden, die gab es offiziell nicht. Sie wurden totgeschwiegen, bestritten, kleingeredet. Die politische Komponente wog zu schwer. Jetzt hat es aber den Deckel vom kochenden Topf gehoben, jetzt lässt sich nichts mehr totschweigen und bestreiten. Die Politik versucht nur mehr, das Problem kleinzureden – und Ausreden zu suchen. Die angebotenen angeblichen Lösungen lösen die Probleme nicht. Die Krankheit wird nicht geheilt, sondern soll mit Medikamenten unter Kontrolle gehalten werden.

Eine der geplanten Placebo- Maßnahmen ohne Aussicht auf Erfolg ist, einen „Anti- Gewalt- Kurs“ als Pflichtfach an Schulen einzuführen. Obwohl ja schon jede Menge an Psychologen, Sozialarbeitern etc. im Schulsystem arbeiten. Es kann aber doch nicht sein, dass bald mehr dieser Leute im Schulsystem sind als Lehrkräfte. Auch der 9- Punkte- Plan des Unterrichtsministers gegen Gewalt und Mobbing an Schulen wird kaum von Erfolg gekrönt sein. Teambuilding- Maßnahmen, die Qualifizierung von Lehrern zu Streitschlichtern, die Einrichtung von Time- Out- Klassen bzw. Time- Out- Gruppen oder sogar eines „Cool- down- Raumes“ hört sich ja im Englischen mordsmäßig gut an. Ob damit spürbare Erfolge erzielbar sind, wird man aber erst in Jahren wissen. Lösungen, echte Lösungen, werden aber jetzt benötigt und das ist das Problem der Politik. Sie traut sich nicht, hart durchzugreifen. Man spricht heute von „jahrelangen Versäumnissen“ in Sachen „gelungener Integration“. In einigen Jahren wird man die selben Schlagworte noch immer verwenden. „Jeder achte Lehrer ist bei uns völlig am Ende“, kann man lesen und damit wird die Dimension des Problems ersichtlich. Und wenn es heißt: „Für Lehrer gibt es viele Hilfsangebote“, so geht das völlig am Kern der Sache vorbei, wird damit das Problem nicht gelöst. Das ist, als würde ich Schmerztabletten nehmen, weil mir jemand immer wieder einen Prügel auf den Kopf haut. Das Problem ist nicht der Schmerz, das Problem ist der Prügler.

In einer Diskussionssendung vor ein paar Tagen sprach die Lehrerin, Personalvertreterin und Buchautorin, Frau Wiesinger, eine Hauptkomponente des Gewaltproblems in Schulen an, nämlich das Elternhaus, die Familie, die fehlende und abgelehnte Integration. Sie wurde von den anderen Diskussionsteilnehmern sofort in Grund und Boden geredet, zum Schweigen gebracht. Dabei hat sie völlig recht; es ist die Hauptursache des Problems. Und da sollte die Politik endlich soviel Mumm und Rückgrat haben, die Familien von extremen Unruhestiftern und gewaltbereiten und gewalttätigen Schülern endlich einmal zu fragen, ob sie jemals über eine Rückkehr in ihre Heimat nachgedacht haben. Wo sie vielleicht so leben können, wie es bei uns nicht erwünscht und nicht tragbar ist. Das wäre allerdings nur machbar bei Nicht- Österreichern. Oder die Eltern solcher Rabauken über das Geld, also über finanzielle Sanktionen wie diverse Kürzungen oder Streichungen, in Richtung bessere Erziehung und besseres Verhalten lenken. Und nach Beendigung der Schulpflicht, an Schulen wie z. B. HTL, Problemfälle konsequent und dauerhaft aus den Schulen entfernen.

Damit Lehrer endlich wieder das machen können, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Die Schüler zu unterrichten und auf das Leben nach der Schule vorzubereiten.

Werbeanzeigen