Manche Medien nicht nur in Deutschland spekulieren damit, dass Kanzlerin Merkel nach der EU- Wahl, die für die Union Verluste bringen wird, zurücktreten und Frau Kramp- Karrenbauer die Nachfolge antreten wird und da endeten die meisten Spekulationen auch. Man konnte somit schlussfolgern, Frau Merkel würde sich dann in den – ob wohlverdienten oder nicht, sei dahingestellt – Ruhestand oder auch auf einen gut bezahlten Aufsichtsratsposten oder etwas ähnliches zurückziehen. Kurzfristig ging ein leichter Schock durch die EU, als Noch- EU- Kommissionspräsident Juncker die Bemerkung fallen ließ, dass Merkel für ein EU- Amt hochqualifiziert wäre. Er bezeichnete sie außerdem nicht nur als eine Respektperson, sondern auch als ein liebenswertes Gesamtkunstwerk. Da aber nicht klar war, ob das alles ernst gemeint war oder in wein- bzw ginseliger Laune gesagt wurde, gab es weiter keine Diskussionen.

Jetzt sorgt aber Merkel selbst wieder für Debatten und Diskussionen. Sie äußerte sich nämlich in einem Zeitungsinterview über Verantwortung gegenüber der EU so: „Viele machen sich Sorgen um Europa, auch ich. Daraus entsteht bei mir ein noch einmal gesteigertes Gefühl der Verantwortung, mich gemeinsam mit anderen um das Schicksal dieses Europas zu kümmern.“ Deswegen wird sie jetzt als mögliche Nachfolgerin des EU- Ratspräsidenten Tusk gehandelt. Und sollte das zutreffen; für Tusk würde sich ganz gewiss auch was finden. Frau Merkel also in Zukunft möglicherweise in einer EU- Spitzenfunktion. Da werden sich viele Menschen erschrocken fragen: „Ja, hat die noch nicht genug Schaden angerichtet in Deutschland und in der EU?“ Dass Frau Merkel eine Spitzenfunktion in Brüssel übernimmt, auf die ganze EU noch mehr Einfluss hat und noch mehr Druck ausüben kann, kann wirklich fast als Drohung empfunden werden.

Nachdem die Gerüchteküche so richtig am Brodeln war, hat Merkel allerdings dementiert. Sie sagte, es gelte weiter, dass sie für kein weiteres politisches Amt, egal wo, zur Verfügung stehe. Aber wer weiß schon, was so ein Dementi wert ist. Schließlich ist bei einigen ihrer Äußerungen genau das Gegenteil von dem eingetreten, was sie ursprünglich sagte. Versprechen von Politikern waren noch nie viel wert; häufig waren es „Versprecher“ und nicht Versprechen.

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