Die EU- Wahl ist geschlagen, von den Verlusten der sogenannten „Altparteien“ hört man kaum noch was. Dafür geht jetzt das unwürdige und beschämende Gezerre um die lukrativen EU- Spitzenjobs los und von den vor der Wahl gemachten Zusagen, dass der Kandidat der stimmenstärksten Partei, z. B. Weber von der EVP oder Timmermans von der SPE, Kommissionspräsident wird, hört man nichts mehr. Was man jetzt hört, sind eine Menge neuer Namen oder auch die Meldung, dass die Zeit gekommen wäre für eine Frau als Kommissionspräsidentin. Und wenn ich mich nicht verhört habe, dann erklärte Juncker auf die Frage nach dem neuen Kommissionspräsidenten, dieser müsse jedenfalls so gut wie er sein. Da kann man nur mehr zynisch sagen: Ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Bei den Frauen, die sich um den Posten der Kommissionspräsidentin bewerben, ist die jetzige EU- Wettbewerbskommissarin Vestager. Sie sagte beim EU- Gipfel auch ganz offiziell: „Ich würde gerne EU- Kommissionspräsidentin werden und bewerbe mich um das Amt“. Das dürfte reichen, denn sie ist eine Frau. Außerdem gehört sie weder zur EVP noch zur SPE, sondern gehört in Dänemark der Linksliberalen Partei an (Det Radikale Venstre) und im EU- Parlament der ALDE, der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa und das sagt schon, dass sie auch eine bedingungslose EU- Befürworterin ist. Ein zweiter Frauenname, den man in Zusammenhang mit der EU- Kommissionspräsidentschaft ebenfalls hört, ist Christine Lagarde. Sie ist zur Zeit die Chefin des Internationalen Währungsfonds, des IWF. Und sie wurde schon im Herbst 2017 als mögliche Nachfolgerin Junckers gehandelt; zumindest von der EVP. Damals hieß es schon: „Lagarde hat Charisma, Erfahrung und Durchsetzungsvermögen“. Und außerdem ist sie eine Freundin Merkels. Sie steht für kompromisslose Privatisierung allen Staatseigentums, auch des Wassers, und würde auch als EU- Kommissionspräsidentin dafür sein. Sie war maßgeblich mitbeteiligt an den Privatisierungs- und Sparprogrammen in Griechenland und anderen EU- Ländern. Sie war es auch, die der fast bankrotten Ukraine Kredite nur zugestand, wenn diese von der EU abgesichert werden. Und eines sollte man auf keinen Fall vergessen oder außer acht lassen: Ende 2013, also fast mitten in der Schulden-und Währungskrise in der EU wurde eine vom IWF in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht. Da war Lagarde schon geschäftsführende Direktorin des IWF. Und in dieser Studie wurde u. a. eine einmalige Zwangsabgabe von 10 Prozent auf alle privaten Vermögen vorgeschlagen. eine 10prozentige Enteignung also. Eine Enteignung, wie sie die EU, allerdings in anderer Größenordnung, in Zypern über Nacht durchführte.

Aber sollte es bei Lagarde mit dem Job der EU- Kommissionspräsidentin nichts werden; bei der EZB wird ebenfalls der Chefsessel frei, denn die Amtszeit des jetzigen Chefs, Mario Draghi, läuft auch aus. Das wäre ja auch was. Und damit das Gebalge und Gezerre um den Chefsessel des EU- Kommissionspräsidenten so richtig spannend wird, hat der bei der EU- Wahl gedemütigte französische Präsident Macron noch einen Namen ins Spiel gebracht: Den des EU- Brexit- Verhandlers Michel Barnier.

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