Unser werter Herr Bundespräsident weilte jetzt auf Staatsbesuch in Portugal. Da gab es in den Medien auch eine Kurzmeldung mit Foto, dass sich unser Bundespräsident und sein Gastgeber, der portugiesische Staatspräsident , gegenseitig mit poliertem oder vergoldetem Blech, auch Orden genannt, behängten und dabei vor Freude strahlten. Ein „fröhlicher Ordensaustausch“, wie das Spektakel auch benannt wurde. Dieses Bild erinnert an die Kindheit. Da war es üblich – und ist es auch heute noch, dass sich Buben wie Mädchen einfach beim spielen, bei Geburtstagsfeiern, beim Kinderfasching eine gekaufte oder gar selbst gemachte Krone aufsetzen und dann voll stolz sagen: Jetzt bin ich König, Königin, Prinz, Prinzessin etc. und dabei übers ganze Gesicht strahlen.

In der Politik ist es das gleiche Spiel, es handelt sich bloß um erwachsene Kinder. Bezeichnend war jener Fall, als sich vor etwa zwei Jahren drei österreichische Landeshauptleute trafen, um sich im extra dafür geschneiderten Trachtenanzug gegenseitig mit irgendwelchen Orden zu behängen. Das dürfte, den Bildern nach zu schließen, eine „Mordsgaudi“ gewesen sein. Was sich da im Kleinen abspielte, wird natürlich auf der großen Weltbühne genau so gerne, aber mit wesentlich mehr Pomp und Medieninteresse praktiziert. Es werden sogar Fälle kolportiert, bei denen geladene Ehrengäste schon im Vorfeld den Wunsch deponierten oder es gar zur Bedingung machten, im Zuge des Besuches geehrt und ausgezeichnet zu werden. In Österreich gibt es zu einem politischen Endlos- Prozess, bei dem es auch um Schmiergeld und Provisionen geht, ein schon legendäres Zitat. Einer der Angeklagten soll demnach einmal gefragt haben: „Wos woar mei Leistung?“ Bei mit oder für irgendwas geehrten oder ausgezeichneten Politikern braucht diese Frage in den meisten Fällen nicht erwartet werden. In den meisten Fällen braucht sich aber auch der Medienkonsument nicht fragen, wofür diese Leute geehrt und ausgezeichnet wurden; es gäbe selten eine plausible Erklärung für die diversen Orden, Medaillen, Titel, Ehrendoktorate. Manchmal so scheint es, reicht es schon, politische Gegner oder Andersdenkende zu verunglimpfen.

Im Internet gibt es viele Möglichkeiten, sich im Detail über Auszeichnungen und Ehrungen von Politikern zu informieren. Wenn man das macht, bemerkt man unweigerlich, dass es bei Medaillen, Orden, Titeln, Ehrendoktoraten etc. eine Inflation gibt; fast jeder wird damit bedacht. Unser Ex- Bundespräsident Fischer brachte es laut Wikipedia von 1979 bis 2017 auf 30 Plaketten, Orden, Ehrendoktorate etc. und ein gewisser Martin Schulz kam von 2006 bis Ende 2016, wiederum laut Wikipedia, auf 22 Orden, Ehrungen, Ehrendoktorate. Eine außergewöhnliche Leistung wird dafür schon lange nicht mehr vorausgesetzt und auch nicht mehr erbracht.

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