In Großbritannien ist das eingetreten, was in der EU von vielen als Katastrophe gesehen wird: Der frühere Außenminister und frühere Bürgermeister von London, Boris Johnson, wurde nach dem Rücktritt von Theresa May zuerst Parteichef der Tory- Partei und dann neuer Premierminister. Das ist für die EU- Häuptlinge so etwas ähnliches wie ein politischer Super- GAU, die Größte Anzunehmende politische Ungewissheit. Dieser Mann ist schwer einzuschätzen und geht keinem Konflikt aus dem Weg. Theresa May ist ja bekanntlich am Brexit gescheitert, sie kam mit ihrem „Deal“ bei den eigenen Leuten trotz Austrittsverschiebung nicht durch. Johnson als Hardliner und Brexit- Verfechter hat hingegen schon versprochen: Zum vereinbarten Termin, das ist der 31. Oktober, wird Großbritannien aus der EU austreten, mit oder ohne Deal.Und jetzt stehen die EU- Leute da, fühlen sich vor den Kopf gestoßen und wissen nicht, wie sie dran sind. Und ob sie Johnson jetzt als Dummkopf abtun wollen oder als Clown oder als Exzentriker; sie müssen ihn als britischen Premierminister akzeptieren, ob sie wollen oder nicht. Und die Herrschaften samt Damen in Brüssel und in Wien, Berlin Paris oder sonstwo in der EU müssen auch akzeptieren, dass Johnson rechtmäßig und korrekt und mit wesentlich mehr als der unbedingt erforderlichen Mehrheit gewählt wurde. Ja, liebe EU- Leute; gewählt. Und er hat mächtig viele Anhänger in Großbritannien. Und ja, liebe EU- Leute; ihr werdet den „irren Boris“ ernst nehmen müssen, ob es euch passt oder nicht, und mit ihm über den Brexit und über ein Handelsabkommen und wer weiß worüber noch verhandeln müssen. Auch wenn seine Polit- Auftritte als „Clown- Show“ gesehen werden und befürchtet wird, dass er sein Land in eine Katastrophe steuert und auch behauptet wird, dass er lügt.

Boris Johnson ist in der EU als britischer Premierminister nicht gewollt. Was machte er bis jetzt also alles falsch, weil ihn die EU- Leute nicht wollen? Ach ja; er ist nicht berechenbar. Und er ist Brexit- Befürworter, weil er mit der EU nicht klar kam. Er ist keiner, der zu allem, was aus Brüssel kommt, ja und amen sagt. Und darum ist er nicht gewollt. Solche Leute gibt es aber noch mehr, da ist er nicht der einzige. Als Donald Trump US- Präsident wurde, war es fast die gleiche Situation. Er gewann die Wahl und wird seither angefeindet, ob zu recht oder nicht. Die EU- Leute verachten und hassen ihn. Sie wollen ihn nicht, weil er nicht ins System passt. Über seine Auftritte und seine Politik kann man geteilter Meinung sein, aber er ist gewählt und er hat seine Anhänger und sein offizielles Motto ist „America first“. Ob das anderen schadet, kümmert ihn wenig. Und jetzt gibt es auch in der Ukraine einen, der nicht gewollt ist. Bis 2014 gab es den Präsidenten Janukowitsch. Der war aber gegen ein Assoziierungsabkommen mit der EU und wurde dann „ganz zufällig“ weggeputscht. Sein Nachfolger Poroschenko war für die EU- Leute berechenbar, er war „handzahm“, er war in den EU- Hauptstädten gern gesehener Gast. Bei Bundespräsident Van der Bellen war er sogar Ehrengast beim Wiener Opernball. Die Ukraine kostete der EU viel Geld, es gibt nach wie vor den Krieg in der Ukraine, der eine Folge des Putsches ist und Poroschenko wurde vorgeworfen, korrupt zu sein. Und da gab es heuer die Präsidentenwahl, die der „TV- Komiker“ Selenskyj haushoch vor dem amtierenden Präsidenten Poroschenko gewann. Niemand in der EU wollte Selenskyj, aber die Ukrainer wählten ihn. Sie sagten sich wohl: Schlechter kann es nicht mehr werden. Und jetzt gewann dieser noch nicht einzuschätzende Präsident Selenskyj auch noch die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen. Und die EU weiß mit Trump, Johnson und auch Selenskyj (noch) nicht so recht, wie man am besten mit denen umgehen kann und soll. Man kann sich jetzt fragen, was die drei gemacht haben, weil sie gewählt wurden oder ob die EU was falsch macht, weil sie mit denen nicht zurecht kommt.

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