Was ist mit dem Ex- Kanzler Kurz los? Er steht merkbar unter Druck, er wirkt angeschlagen. Und das, obwohl er, obwohl die Türkisen bei Umfragen zur NR- Wahl haushoch führt bzw. führen. Michael Jeannee bringt in der „Krone“ in seiner Samstag- Post an Sebastian Kurz die Erklärung. In einem vertraulichen Gespräch mit jemandem aus dem Umfeld von Kurz die Erklärung zutage und Jeannee zitiert: „Es ist der unmenschliche Druck auf Sebastian von der falschen Seite. Um zu verstehen, was ich meine, müssen Sie wissen: Sein Herbert Kickl- Bashing und die daraus resultierenden Neuwahlen sind nicht auf seinem Mist gewachsen“.

Wenn das stimmt, und Jeannee hat sich diese Geschichte sicher nicht aus den Fingern gesogen und sein Informant ist sicher kein Märchenerzähler, dann werden da tiefschwarze politische Abgründe ersichtlich. Tiefschwarze politische Geister vor allem, aber nicht nur in Niederösterreich, sind also für das momentane politische Chaos, für die politischen Schlammschlachten, für die nachhaltige Zerstörung des ohnehin (und nicht zu Unrecht) längst angeschlagenen Rufs der Politiker aller Coleurs verantwortlich. Nicht nur aktive schwarze Gestalten, sondern auch schwarze Gespenster der Vergangenheit, die immer noch im Hintergrund – oder sollte man besser sagen Untergrund? – aktiv sind und ihre Fäden spinnen. Und wenn man sich einige Jahre zurück erinnert: Wer waren die Leute, die Kurz emporhoben, die ihn groß, aber dadurch auch abhängig machten? Da sind Personen dabei, die offiziell weg sind von den Schalthebeln der Macht und aus dem Scheinwerferlicht der Medien, die im Hintergrund aber weiterhin ihre Fäden ziehen wie Puppenspieler. Und eine dieser Puppen ist, so scheint es, Basti K. Und der bezahlt jetzt den Preis für die Macht, die er bekam.

Bei Jeannee heißt es weiter: „… Strache auf den Balearen erwies sich für Schwarz in Niederösterreich als Glücksfall und die Gelegenheit, diesbezüglich reinen Tisch zu machen“. (Dabei ist immer noch nicht klar, ob die ÖVP 2017 bei der Erstellung des Ibiza- Videos aktiv beteiligt war oder nicht.) Kickl dürfte tatsächlich auf der richtigen Fährte gewesen sein, als er in seinem Ministerium und Umfeld davon nach Netzwerken zu suchen begann und auch fündig wurde. Diese Aktivitäten Kickls verursachten schwarzen Akteuren massives Unbehagen bis hin zu Panikattacken, sahen sie doch ihre einzementierten Hintergrundstrukturen bedroht und und fürchteten um den Verlust ihres Einflusses und Bloßstellung. Mit „Ibiza- Gate“ war es ein Leichtes, über die Medien eine Anti- FPÖ- Kampagne zu starten und die auch gegen Kickl zu personalisieren. Beim ORF rannte man damit offene Türen ein; linke, schon immer gegen die FPÖ agierende Medien brauchten nur gefüttert werden und von den Schwarzen abhängige Medien machten natürlich sofort mit. Beim Kickl- Bashing wusste man auch von Anfang an, dass man sich zu 100 Prozent auf den Bundespräsidenten verlassen konnte.

Die Post von Jeannee schließt mit: „Sebastian weiß inzwischen, dass er einen schweren Kickl- Fehler begangen hat. Aber dieser ist leider nicht zu revidieren. Denn versuchte er es, würde Kurz sein Gesicht verlieren“.

Ich meine aber, Kurz kann (und soll) seinen Fehler revidieren, denn sein Gesicht hat er mit dieser Geschichte schon verloren. Und den Fehler eingestehen und versuchen zu beheben, würde Charakterstärke zeigen und Pluspunkte bringen. Und die schwarzen Gestalten im Hintergrund ihrer Macht und ihres Einflusses berauben. Kurz würde sich von ihnen befreien.

Bertold Brecht schrieb schon lange vor Kurz: „Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“

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