Viele Leute – und nicht nur Linke, wie man lesen kann – würden Frau Stenzel von der FPÖ wegen ihrer Teilnahme an einer Gedenkveranstaltung der Identitären anlässlich der Entscheidungsschlacht gegen die Türken im Jahr 1683 vor den Toren Wiens am liebsten teeren und federn wenn nicht gar vierteilen, aber auf jeden Fall zumindest in die Wüste schicken. Mir ist allerdings eines aufgefallen: Bei dem ganzen gezeigten Videomaterial von dieser Veranstaltung war keine einzige gelb- schwarze Fahne der Identitären zu sehen, dafür aber jede Menge rot- weiße Fahnen mit dem Wappen Wiens und das sehe ich nicht als Hinweis auf die Identitären. Mir ist allerdings nicht bekannt, wer der offizielle Veranstalter dieser sicherlich genehmigten Gedenkveranstaltung am Samstag war. Am Tag vorher, am Freitag also, wurde schon für eine Gegendemo geprobt. Über diese Gegendemo mit dem linksextremen „Schwarzen Block“ wurde, im Gegensatz zur rechten Demo am Samstag, so gut wie nichts berichtet und wenn schon, dann eher wohlwollend. Und das trotz der Tatsache, dass die „Hauptakteure“ gegen das Vermummungsverbot verstießen, mit Böllern und bengalischem Feuer das Pyrotechnikgesetz übertreten wurde, es zu Sachbeschädigung kam, ein Polizist verletzt und Passanten belästigt wurden. Und von grünen, roten und – welche Farbe hat eigentlich die Liste Pilz – Jetzt? – Politikern, die immer wieder bei Demos im Umfeld von „Aktivisten“ von Antifa und Schwarzem Block gesichtet werden, wurde natürlich auch nichts berichtet. Aber vielleicht waren dieses Mal auch keine dabei.

Jetzt hat übrigens die ÖVP, die sich ja ebenfalls auf Frau Stenzel eingeschossen hat, auch ein Problem im Zusammenhang mit Rechts. ÖVP- Klubobmann Wöginger gab einem als rechtsextem bezeichneten Magazin ein Interview am Telefon. Als das bekannt wurde, ließ Herr Wöginger ausrichten, er habe nicht gewusst, wem er das Interview gab. Dabei hat sich der Interviewer eindeutig als Vertreter dieses Magazins vorgestellt.

Ist schon bemerkenswert, welche Unterschiede in der Berichterstattung über linke und rechte Extremisten gemacht werden; das ist nicht nur dem Wahlkampf geschuldet. Am deutlichsten treten diese Unterschiede in Österreich übrigens beim ORF zutage. Und sagt nicht der Volksmund: Vor dem Gesetz (und in den Medien) sind alle gleich, aber einige sind gleicher.

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