Es hat sich jetzt wieder bestätigt, dass ein Teil der heutigen Gesellschaft anders tickt. Da fiel in einem Wiener Buchcafe einem sich selbst als „Hipster“ bezeichnenden (was immer der Kerl selbst darunter versteht) Gast eine Neuauflage des ehemaligen Kinderbuch- Klassikers „Hatschi- Bratschis Luftballon“ in die Hände. Eine kommentierte Neuauflage, wohlgemerkt. Das dürfte wahrscheinlich bedeuten, dass in Kommentaren auf die heute als nicht „politisch korrekten“ Textstellen eingegangen wird. Und dieser werte Hipster tobte sich dann in politisch korrekter Empörung aus. Von einem „rassistischen Kinderbuch“ schrieb er, von „rassistischen Wilden“, die im Buch vorkommen, von „grausamer rassistischer Bebilderung“, von „Kolonialrassismus“ und dass das Buch „krass- rassistisch“ sei usw.

Mein Gott, Franz Karl Ginskey, was blieb Dir als Schöpfer dieses beliebten Kinderbuches doch erspart, dass Du das nicht mehr erleben musstest! Da kam alles zum Einsatz, was man in die Schlacht werfen kann, wenn es um die politische Korrektheit geht. Aber der Wortschatz des „Hipsters“ dürfte sich zum Großteil auf „rassistisch“ beschränken. Es ist allerdings nicht der erste Vorfall dieser Art in Österreich und selbst die beliebte „Pippi Langstrumpf“ blieb nicht verschont vor politisch korrekten Korrekturen. Und, das fällt mir gerade ein, auch der Originaltext der österreichischen Bundeshymne als klassisches Werk der Literatur konnte den Verwirrungen der heimischen Tugend- und Korrektheitswächter nicht standhalten und wurde, ohne der Schöpferin den nötigen Respekt zu erweisen, dem Zeitgeist geopfert.

Solche Geschichten wie die Kinderbuch- Aktion wecken Erinnerungen an überlieferte Vorfälle der dunkelsten Vergangenheit, die aber noch kein Jahrhundert zurückliegt. Durch solche Geschichten beginnt man zu vergleichen und abzuschätzen, ob diese dunkle Vergangenheit nicht wieder Wirklichkeit wird. Jetzt, in der heutigen Zeit, werden Bücher und andere Texte umgeschrieben oder verschwinden Bücher aus den Regalen. Es werden alte Lieder mit einem Bann belegt. Und damals, in dieser dunklen Vergangenheit, wurden Bücher öffentlich verbrannt, weil sie bzw. die Autoren nicht dem Zeitgeist entsprachen. Das war 1933 und diese Bücherverbrennungen gab es in vielen Städten Deutschlands, z. B. am 10. Mai 1933 in Berlin am heutigen Bebel- Platz. Mitglieder der Deutschen Studentenschaft, Professoren und NS- Parteiorgane inszenierten diese Bücherverbrennungen; es war eine „Aktion wider den undeutschen Geist“.

Und heute ist es eine „Aktion wider die politische Unkorrektheit“, mit der gegen unliebsame Texte und Bücher vorgegangen wird. Öffentlich verbrannt werden sie allerdings noch nicht.

Werbeanzeigen