Als in der Ukraine nach dem „Maidan- Putsch“ im Jahre 2014 auf der Halbinsel Krim die (großteils russisch- stämmigen) Bewohner per Volksbefragung darüber abstimmten, ob die Krim weiterhin zur Ukraine gehören oder wieder in den Schoß von „Mütterchen Russland “ zurückkehren soll, stimmten die Krim- Bewohner zu etwa 90 Prozent für einen Anschluss an Russland. Die Krim gehörte ja seit dem Ende des 18. Jahrhunderts immer zu Russland. Erst Nikita Chruschtschow, der spätere Ministerpräsident der UdSSR, ein gebürtiger Ukrainer, „verschenkte“ 1954 die Krim an die Ukraine, die ja ein Teil der UdSSR war. Als die Krim, auf der sich russische Stützpunkte befanden, wieder zu Russland zurückkehrte, löste das Empörung aus, wurde das vom Westen als Annexion (laut Duden: gewaltsame und widerrechtliche Aneignung fremden Gebiets) betrachtet und mit bis heute aufrechten Sanktionen gegen Russland bestraft.

In Israel will der alte und neue Premier Netanjahu im Wahlkampf damit punkten, dass er im Falle seines Wahlsieges die von Israel besetzte Westbank, also das den Palästinensern zugesprochene Westjordanland, annektieren wird und vom Westen war nicht viel an Widerspruch oder gar von Empörung zu hören. Und jetzt hat auch der israelische Oppositionsführer, also der Wahlgegner Netanyahus, angekündigt, im Falle eines Wahlsieges ebenfalls das besetzte Westjordanland annektieren zu wollen; „in Abstimmung mit der internationalen Gemeinschaft“, wie er sagte. Bis jetzt bleibt es dazu auch still.

Meiner Meinung nach muss es zwei Arten von Annexion geben: Eine inakzeptable, verwerfliche und durch nichts zu rechtfertigende Annexion, wie sie die Russen mit der Krim durchzogen. Und eine Annexion, über die man schon reden kann, auch wenn sie gegen alle möglichen Verträge und wahrscheinlich auch gegen das Völkerrecht verstößt. Eine Annexion, wie sie von israelischen Politikern angekündigt wurde. Da sollte man schon ein Auge zudrücken.