In zwei Monaten wird gewählt. Wie? Wer? Wo? Schon vergessen? In Frankreich; der Präsident wird gewählt. Oder vielleicht eine Präsidentin; wer weiß das schon genau. Dem jetzigen Präsidenten Emmanuel Macron sieht man gar nicht an, dass er schon im Wahlkampf wäre. Der hat seiner Meinung nach wohl anderes zu tun. Der macht sich in der EU wichtig bis unentbehrlich, denn schließlich hat Frankreich bis Ende Juni die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union inne. Der französische Präsident Macron ist der EU- Ratspräsident. Und als solcher hat er wegen der Ukraine- Krise sehr viel zu tun. Spielt den großen Vermittler, ist bei den Normandie- Treffen dabei usw. Da bleibt für Wahlkampf keine Zeit. Und außerdem hat Macron offiziell noch gar nicht erklärt, ob er sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Er ist zwar gerne Präsident. Er wird sich aber gewiss noch daran erinnern, dass es nicht einfach war, Präsident zu werden. Und dass er nicht wegen seiner Beliebtheit zum Präsidenten gewählt wurde, sondern durch Berechnung. Fast alle Parteien einigten sich darauf, ihn im 2. Wahlgang zu unterstützen, um Marine Le Pen als Präsidentin zu verhindern. Den ersten Wahlgang entschied Macron damals mit bescheidenen 24 Prozent für sich, mit nicht einmal 3 Prozent Vorsprung vor Le Pen. Die Stichwahl gegen Le Pen gewann er mit vereinten Kräften dann überlegen mit 66 Prozent. Nach der Wahl musste er aber zur Kenntnis nehmen, dass er für viele Franzosen als ehemaliger Rothschild- Banker der Vertreter der Hochfinanz war und nicht der respektierte Präsident. Darüber denkt er vielleicht nach, bevor er entscheidet, ob er sich der Wiederwahl stellt. Er wird es aber ziemlich sicher noch einmal wissen wollen und deshalb sammelt er jetzt auch Lorbeeren auf der internationalen wie auch auf der EU- Bühne.

  Und dann muss man auch noch eine französische Eigenheit auf dem Weg zur Präsidentschaft kennen: Jeder der potentiellen Kandidaten muss, bevor er als offizieller Kandidat gilt, die Unterschriften von mindestens 500 Parlamentariern, Bürgermeistern oder Regionalräten aus mindestens 30 Departements vorlegen können; als Unterstützungserklärungen sozusagen. Diese 500 Unterschriften müssen bis Anfang März vorgelegt werden. An dieser Hürde werden von den mehr als 30 potentiellen Kandidaten mehr als die Hälfte scheitern. Für Macron, der seine Kandidatur noch gar nicht angemeldet hat, wurden aber schon mehr als 500 Stimmen abgegeben. Allerdings hat die Pariser Bürgermeisterin Hidalgo, der nur eine Außenseiter- Rolle zugestanden wird, auch schon mehr als die Hälfte der notwendigen Stimmen, während Le Pen erst ein paar Dutzend Stimmen hat. Vorhersagen sind also zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwierig, weil sich Umfrageergebnisse (noch) nicht mit den benötigten Unterschriften decken. Das sogenannte Parraigage- System hat halt so seine Tücken. Und trotz dem, dass noch  viele Unterschriften für eine offizielle Kandidatur fehlen, werden den Rechten gute Chancen eingeräumt. Eric Zemmour, eben erst wegen Verhetzung verurteilt, dürfte unter den Rechten die besten Chancen haben. Er legt die Finger in die Wunde der Gesellschaft und des Staates, weist auf die Probleme mit den radikalen Islamisten hin, fordert die Wiederherstellung des Rechtsstaates. Die „Grande Nation“ hat nämlich speziell die großen Vorstädte längst an die Islamisten verloren. Dort herrscht eine Parallelgesellschaft und die Scharia. Das sind „No- Go- Areas“ mit stark steigender Kriminalität.

  Mit diesem Themenblock will Zemour punkten: Den Rechtsstaat wiederherstellen; ein mehr als schwieriges Unterfangen. Die Zuwanderung stoppen; um die „No- Go- Areas“, die er „Enklaven“ nennt, einzudämmen. Die Kriminalität in Frankreich zurückdrängen. Er will auch kriminell gewordene Ausländer rigoros abschieben, Wiederholungsstraftätern mit Doppelstaatsbürgerschaft die französische Staatsbürgerschaft entziehen, um sie abschieben zu können, das Asylrecht einschränken, Sozialleistungen kürzen oder streichen usw. Wahlkampfthemen also, die in Brüssel sicher nicht gerne gehört werden (und in Österreich in dieser Deutlichkeit undenkbar wären). Und obwohl Marine Le Pen schon im Wahlkampf 2017 den Großteil dieser Forderungen stellte und nicht Präsidentin wurde, scheint Zemmour dieses Mal unter den Rechten die Nase vorn zu haben. Vielleicht war 2017 die Zeit noch nicht reif für diese Themen.