BRICS. Vielen Leuten sagt das gar nichts. Andere wissen, dass das die Abkürzung ist für ein paar Staaten, die sich vor einigen Jahren zusammen getan haben. BRICS steht für Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Dieses Bündnis wurde 2006 gegründet, wobei Südafrika erst 2010 dazu kam. Von vielen wird BRICS, dieses wirtschaftliche Bündnis, eher belächelt.Sie meinen, gegen die geballte Wirtschaftsmacht der USA, der EU, Japans und einiger anderer Länder hätte dieses Bündnis doch keine Chance, wenn es hart auf hart kommen würde. Etwas darf man aber nicht außer acht lassen: BRICS repräsentiert 3,2 Milliarden Menschen, das sind 40 Prozent der Weltbevölkerung. Die USA, die EU, Japan, Großbritannien und einige weitere mit den USA eng verbundene Staaten kommen auf etwa 1 Milliarde. Beim BIP schaut es allerdings anders aus. Da kommen die BRICS- Staaten auf ein BIP (nominal) von etwa 21 Billionen Dollar, während USA und Co. auf etwa 62 Billionen kommen. Beim BIP nach Kaufkraft gerechnet schaut die Sache aber ganz anders aus.

 Beim BRICS- Bündnis kann es in absehbarer Zeit aber gravierende Änderungen geben. Angeblich bemüht sich nämlich Saudi- Arabien um eine Aufnahme. Das Verhältnis zwischen Saudi- Arabien und den USA ist ja, seit Biden US- Präsident ist, ziemlich unterkühlt. Kronprinz Mohammed bin Salman verweigerte sogar Telefonate mit Biden, sprach aber mit Putin. Dann gibt es auch noch die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), ein politisches, wirtschaftliches und militärisches Bündnis, dem neben China, Russland, Indien und Pakistan noch einige ehemalige Sowjet- Republiken angehören. Zu diesen beiden Bündnissen kann man lesen: „Die BRICS und die SOZ haben eine wichtige ideologische Gemeinsamkeit: Sie sind beide auf Multipolarität ausgerichtet, und ihre Gipfeltreffen wurden sogar zeitweise gemeinsam abgehalten“. Jetzt ist zu erfahren, dass der Iran dem BRICS- und auch dem SOZ- Bündnis beitreten will. Die angestrebte BRICS- Mitgliedschaft von Saudi- Arabien habe ich schon erwähnt. Zusätzlich ist eine BRICS- Erweiterung mit Argentinien sowie afrikanischen und asiatischen Staaten angedacht; BRICS+ wird es dann sein. Argentinien hat sogar schon einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt.

  Der Einfluss von BRICS in Verbindung mit SOZ wird immer größer, dürfte in der EU aber wenig beachtet werden. Die Mitglieder dieser beiden Gruppen weisen aktuell aber eine wichtige Gemeinsamkeit auf: Sie sind sehr zurückhaltend bei einer Verurteilung Russlands wegen der Ukraine und erst recht mit Sanktionen gegen Russland. Diese Staaten werden kaum auf die russische Liste der „unfreundlichen Staaten“ gesetzt werden und deren Wirtschaft wird nicht unter eigenen Sanktionen leiden müssen, wie das in der EU der Fall ist. Und diese beiden Gruppen werden einen bedeutenden Einfluss auf das Weltwirtschaftssystem haben. Diese beiden Blöcke werden dann auch noch mehr wie jetzt schon die Möglichkeit haben, US- Sanktionen zu umgehen – mit denen die USA ja sehr schnell zur Hand sind. Schon der Friedensnobelpreisträger und US- Präsident Obama sagte 2015 in einem TV- Interview: „Wir müssen gelegentlich den Arm von Ländern umdrehen, die nicht das tun, was wir von ihnen wollen“. Dem wollen sich BRICS und SOZ entgegenstellen. Und mit den großen Öl- und Gasproduzenten in diesen beiden Gruppen könnte auch dem US- Dollar ein schwerer Schlag versetzt werden – was wahrscheinlich auch geplant ist.

  Der Westen scheint in den letzten Jahren den Bogen überspannt zu haben, was den Umgang mit anderen Ländern betrifft. Das trifft besonders auf die USA zu und deren Vorgehensweise im Ukraine- Russland- Konflikt zu. Die USA wollen um jeden Preis – den nach Möglichkeit andere bezahlen sollen – alleinige Weltmacht sein und bleiben; wollen eine unipolare neue Weltordnung. Das erzeugte Widerstand. Die anderen Blöcke setzen auf eine multipolare Weltordnung. Für den Westen, also auch für die EU, dürften harte Zeiten anbrechen. Das kann gefährlich werden und der Ukraine- Konflikt kann  eine Vorschau sein.