Ich habe mir die Rede des Bundespräsidenten anlässlich der Eröffnung der Salzburger Festspiele ein zweites Mal angehört, so unglaublich schien sie mir beim ersten Mal. Es hat sich aber nichts geändert; sie blieb unglaublich. Diese Eröffnungsrede passte weder zum Bundespräsidenten noch zu Festspielen. Da ändert auch die Situation in der Ukraine nichts daran. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass der werte Bundespräsident auf irgend eine Art und Weise unter Druck gesetzt wurde. Dass ihm die aufgesetzte Rede in die Hand gedrückt wurde mit den Worten: „Lies das“. Das würde auch seine Versprecher erklären.

  Der Bundespräsident, der sechs lange Jahre in Situationen meist schwieg, wo klare Worte von einem Bundespräsidenten vonnöten gewesen wären, der sagte aber 2017 zur Kopftuchdebatte: „… Und wenn das so weitergeht, bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun“. Dieser Sager kam, wie einige andere auch, nicht gut an. Dieser Bundespräsident sagte jetzt in seiner Eröffnungsrede in Salzburg: „… Das alles ist so offensichtlich, dass ich schwer begreifen kann, wie Einzelne jetzt ohne Not gezielt zündeln und damit den Zusammenhalt in Europa gefährden. Das ist nicht nur verantwortungslos, das ist gefährlich. All jene, die jetzt insgeheim oder ganz ungeniert mit den Interessen Putins sympathisieren oder tatsächlich oder vermeintlich mit ihm kollaborieren, gefährden unseren Zusammenhalt. Wir dürfen uns nicht spalten lassen, denn das ist eine uralte Despoten- Weisheit: Divide et impera – teile und herrsche …“ Ich habe mich nicht verhört. Unser Bundespräsident sagte tatsächlich: „All jene, die jetzt …mit den Interessen Putins sympathisieren oder … mit ihm kollaborieren, …“

  Laut Wikipedia heißt kollaborieren: mit dem Gegner, der Besatzungsmacht gegen die Interessen des eigenen Landes zusammenarbeiten.

  Und Kollaboration: Insbesondere ist damit die Zusammenarbeit mit dem Feind zu Zeiten eines Krieges oder der Besatzung gemeint.

  Der werte Bundespräsident bezeichnet es also als gezielt zündeln und den Zusammenhalt in Europa – da meinte er wohl die EU – gefährden, wer die eher sinnlosen Sanktionen gegen Russland in Frage stellt. Wer also nicht ohne Wenn und Aber auf EU- Linie ist, ist verantwortungslos und gefährlich. Das heißt, es darf niemand mehr selbt denken und seine Meinung äußern. In der EU ist betreutes Denken angesagt und die Meinung wird vorgegeben. Und dass Österreich eigentlich neutral ist oder besser gesagt sein sollte, spielt keine Rolle. Die Regierung trägt „selbstverständlich“ die Sanktionen mit und die Bevölkerung hat die versalzene Suppe auszulöffeln. Österreich als (angeblich noch) neutraler Staat finanziert ja mit seinen EU- Beiträgen auch die Milliarden mit, die Brüssel für Waffenkäufe an die Ukraine überweist. Und wer dazu seine Bedenken äußert, der muss sich vom eigenen Bundespräsidenten einen Kollaborateur schimpfen lassen, der mit einem Despoten und Diktator namens Putin zusammenarbeitet und gegen die Interessen des eigenen Landes arbeitet. Es ist keine Überraschung, dass der Bundespräsident wegen solcher Äußerungen ausgepfiffen wird und in Umfragen abstürzt.

  Nur; wer sagt, dass es im Interesse des eigenen Landes ist, mit Sanktionen gegen Russland dem eigenen Land schweren Schaden zuzufügen? Wer sagt, dass es im Interesse des eigenen neutralen Landes ist, zur Kriegspartei zu werden in einem Krieg, der uns nichts angeht, nur aus Solidarität? Und wer sagt, dass wir mit der „Friedens- Union“ und der „Werte- Union“ aus dem Ukraine- Krieg, der ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland ist, verlängern und „heißer“ machen müssen? Wer sagt all das und in wessen Interesse ist das? Cui bono – wem zum Vorteil?