Das sogenannte „Rennen“ um die Wiener Hofburg, also der Wahlkampf um die Präsidentschaft, kommt langsam in Schwung. Und trotz der Tatsache, dass Van der Bellens Wahlkampf etwas holprig anläuft, bedingt u. a. durch verunglückte und entbehrliche Äußerungen, bleibt er als amtierender Präsident der Favorit. Aber eine „g´mahte Wies´n“ ist die erste Runde nicht. Und es wird zu einer Stichwahl kommen, auch wenn ihm laut einer Umfrage 66 Prozent zugetraut werden. Wer von den ernsthaften Kandidaten gehört neben Van der Bellen zum Mitte- Links- Lager? Neben Van der Bellen eigentlich nur Marco Pogo, dem man 8 bis 10 Prozent zutrauen kann. Dem Mitte- Rechts- Lager zuzuordnen ist klarerweise der Herausforderer Nr. 1, Walter Rosenkranz von der FPÖ. Laut irgend einer Umfrage kommt der angeblich nur auf 10 Prozent, was kaum glaubwürdig ist. Realistisch dürfte es die Größenordnung der FPÖ sein, das wären etwa 20 Prozent; eher etwas mehr. Der von TV- Diskussionen bekannte und in den sogenannten sozialen Medien sehr stark präsente Gerald Grosz, ehemals in der Politik tätig, dürfte um die 10 Prozent abräumen. Der Neo- Politiker Brunner von der MFG hat zwar österreichweit einen eher niedrigen Bekanntheitsgrad,  kann aber auf die Stimmen von Impfkritikern zählen und wird wohl 4 bis 5 Prozent schaffen. Der „Schuh- Rebell“ und einstige Van der Bellen- Unterstützer Heini Staudinger wird seine Unterstützer eher aus dem linken Lager holen, aber seine Chancen dürften auf etwa 3 Prozent limitiert sein. Dann kommt noch Tassilo Wallentin, der sich großer Bekanntheit erfreut wegen seiner treffenden Artikel in der Sonntags- „Krone Bunt“. Er wird ganz sicher nicht nur Kritiker der Massenmigration ansprechen – und er kann sich der Unterstützung durch den austro- kanadischen Milliardär Frank Stronach erfreuen. Auch ihm sind 8 bis 10 Prozent zuzutrauen. Dann kommt noch der Rest der 23 Kandidaten, die ich „die Chancenlosen“ nenne. Die werden insgesamt etwa 1 bis maximal 2 Prozent erreichen. Das dürften, wenn meine Vermutung annähernd hinkommt, für die Herausforderer Van der Bellens insgesamt knapp über 50 Prozent und somit eine Stichwahl bedeuten. Eine peinliche Pleite für Van der Bellen – wenn es so weit kommen sollte. Echt spannend wird dann der 2. Durchgang. Vor 6 Jahren haben sich bei der Stichwahl alle alle gegen den damaligen FPÖ- Kandidaten Norbert Hofer verbündet. Da kam Van der Bellen nur auf 50,35 Prozent und in der Wiederholung, im 3. Durchgang, erreichte er auch nicht mehr als 53,8 Prozent, aber es war die Mehrheit und es reichte – und trotzdem gab es Diskussionen und Gerüchte rund um die Wahlkartenstimmen.

  Zu dieser Präsidentenwahl drängen sich Vergleiche mit Frankreich auf, obwohl man die Position und die Machtfülle des österreichischen Präsidenten nicht mit jener des französischen Präsidenten vergleichen kann. Aber in Frankreich verbündeten sich 2017 in der Stichwahl alle politischen Kräfte gegen Marine Le Pen als französische Präsidentin und der Wahlsieger hieß Macron. Die Zufriedenheit mit Macron war aber sehr stark enden wollend und heuer hieß der Sieger der Präsidentenwahl trotz Wahlbetrugsvorwürfen bzw. „Pannen“ bei der Stimmenauszählung, gezeigt im französischen Fernsehen, wieder Macron. Die Linken mit Melenchon und die Rechten mit Le Pen fügten dem gar nicht mehr so strahlenden Sieger Macron aber eine Niederlage zu, da er im Parlament keine Mehrheit mehr besitzt und auf das Wohlwollen anderer Parteien angewiesen ist. Das kann Van der Bellen zwar nicht passieren, seine Macht ist eingeschränkt, aber eine fehlende geschlossene Unterstützungsfront könnte eine böse Überraschung für Van der Bellen bedeuten.

  Vielleicht sehen ihn viele österreichische Wähler doch eher als Pensionist denn als agilen Präsidenten. Immerhin ist er fast 79 Jahre alt.