Russland wurde in den letzten Monaten für den Überfall auf die Ukraine mit einer ganzen Serie von Sanktionspaketen bedacht. Von der EU in erster Linie, von den USA und einigen anderen Ländern, hauptsächlich aus Asien. Der große Rest der Welt war hingegen sehr zurückhaltend. In letzter Zeit wird von der österreichischen Regierung, aber auch von anderen Regierungen und von der EU- Führung fast pausenlos betont: Die Sanktionen wirken. Mittlerweile wird aber nicht mehr bestritten, dass die Folgen der Sanktionen auch die Sanktionierer zu spüren bekommen. Aber Russland wird mehr geschädigt, so die Rechtfertigung, und wer die Sanktionen hinterfragen will, so wie z. B. die Österreicher, eine Evaluierung der Sanktionen fordert, der wird als Kollaborateur beschimpft und als Landesverräter. Wo kämen wir denn da hin; die Sanktionen in Frage stellen? Europa darf sich nicht spalten lassen, (gemeint ist natürlich die EU) muss eine gemeinsame Linie beibehalten, muss mit einer Stimme sprechen, wird gefordert. Und was schon jetzt als Folge der Sanktionen und des Krieges zu erdulden ist und was noch kommt, das ist halt der Preis der Freiheit, den wir zu zahlen bereit sein müssen, tönt es.

  Russland leidet also unter den Sanktionen. Die Wirtschaft, so haben Experten errechnet und so wurde es kürzlich vermeldet, wird um 10 Prozent oder sogar noch mehr einbrechen und die Inflation sei jetzt schon erschreckend hoch und die Auto- und Flugzeugindustrie sei in Russland wegen fehlender Bauteile schon fast zum Erliegen gekommen. Da kann man sich doch die Hände reiben. Die Sanktionen wirken wirklich; Russland geht in die Knie. Aber stimmt das auch so? Eine deutsche Online- Wirtschaftszeitung, nicht für Russland- Schmeicheleien bekannt, schreibt jetzt: „Alle Experten sagten für Russland eine schwere Wirtschaftskrise voraus, als das Land den Ukraine- Krieg begann. Doch tatsächlich brummt die russische Wirtschaft“. Kann das sein, darf das sein? Die Expertenmeinungen stimmten vor einem halben Jahr. Da gab es einen Wirtschaftseinbruch, da rasselte der Rubel in den Keller, da stürzte der Aktienmarkt ab, da mussten westliche Firmen wegen der Sanktionen aus Russland abziehen. Da wurde Russland fast zur Gänze vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Und jetzt soll plötzlich alles anders sein, sollen alle Experten falsch liegen? Es scheint fast so. Selbst eine Analyse des „Economist“, einem internationalen Wochenmagazin mit Schwerpunkt auf Wirtschaft und Finanzen, gesteht der russischen Wirtschaft zu, dass sie besser dasteht, als die optimistischsten Prognosen vorhergesehen haben, und erklärt: „Why the Russian economy keeps beating expectations“ (Warum die russische Wirtschaft die Erwartungen immer wieder übertrifft).  Einer der wichtigsten Punkte für die relativ gute Wirtschaftslage ist, dass durch den Export von Öl, Gas und Kohle auf Grund der stark gestiegenen Preise – für die nicht nur Russland verantwortlich ist – wesentlich mehr Geld in die russische Staatskasse fließt als vorher. Und in den großen Unternehmen sitzen Leute an der Spitze, die was von ihrem Geschäft verstehen. Auch die Inflation geht in Russland zurück und durch den teuer gewordenen Rubel werden Importe auf Rubelbasis billiger. Die Verbraucherpreise sinken ebenfalls. Der Arbeitsmarkt in Russland ist auch ziemlich stabil, von Massenarbeitslosigkeit keine Rede. Der „Economist“ stellt jedenfalls fest, dass die harten Sanktionen des Westens bisher nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Die gewählte Strategie des Westens habe „Schwächen“: „Besorgniserregend ist, dass der Sanktionskrieg bisher nicht so gut läuft wie erwartet“. Russland hat nämlich aus den Sanktionen auch gelernt und sich in einzelnen Bereichen von (sanktionierten) Importen unabhängig gemacht. 

  Und jetzt hoffen die Experten halt, dass die Sanktionen, wenn sie schon jetzt nicht wie gehofft und erwartet, so doch zu einem späteren Zeitpunkt einmal richtig schmerzhaft wirken.