Das Feilschen um die Besetzung der EU- Führungspositionen zeigt, in welch erbärmlichem Zustand sich dieser Verein befindet. Da wurden Kandidaten vorgestellt, die plötzlich, fast über Nacht, keine Kandidaten mehr waren. Da wurden Kandidaten eines bestimmten Amtes einer Schachfigur gleich verschoben und zum Kandidaten eines anderen Amtes gemacht. Das beweist: Es bedarf keiner Qualifikation, keiner Erfahrung. Das braucht man nicht. Da wurde vor der Videokamera ein Kuhhandel gemacht, („… der nimmt das Parlament und Du die Kommission …“) der dann auch wieder hinfällig wurde. Da wurde der ganzen EU Postenschacher der übelsten Sorte vor Augen geführt. Und dann trauen sich diese Roßtäuscher mit selig verdrehten Augen und verklärtem Blick noch von „den Werten“, von Demokratie, von Offenheit zu schwafeln. Das, was hier ablief und noch abläuft, sind Methoden, wie sie in Hinterzimmern von Halbwelt- oder Unterweltspelunken vielleicht einmal üblich waren. Das ist Betrug am Wähler und beinharte Durchsetzung persönlicher Interessen. Der jetzige Vorschlag für die Position der EU- Kommissionspräsidentin, nämlich die als deutsche Verteidigungsministerin krachend gescheiterte Ursula von der Leyen, auch als „Flinten- Uschi bekannt, ist der allerkleinste gemeinsame Nenner und auch gegen sie regt sich schon Widerstand; sogar oder gerade in Deutschland. Es ist auch nicht sicher, ob sie vom EU- Parlament zur Kommissionschefin gewählt wird.

Jetzt steht der neue EU- Parlamentspräsident fest, es ist der italienische Sozialdemokrat Sassoli. Hat diesen Namen schon einmal jemand gehört, war er als Kandidat aufgestellt? Mir ist nichts bekannt. Er wurde aber wenigstens vom EU- Parlament gewählt und nicht einfach von ein paar Leuten eingesetzt. Sassoli ist für die erste Halbzeit, also für die ersten 2,5 Jahre Parlamentspräsident. Ob er dann vom EVP- Mann Weber abgelöst wird, das werden wir nach dem Ende der ersten Halbzeit wissen. Die Rede war jedenfalls davon, dass dann Weber weitermachen soll; der gescheiterte Kandidat für den Kommissionspräsidenten. Aber sicher ist bei diesen Basarhändlern in Brüssel fast nichts. Weber wurde übrigens vom französischen Präsidenten Macron mit dem Argument abgelehnt, er hätte zu wenig Erfahrung als Regierungschef. Hat diese Erfahrung etwa Ursula von der Leyen? Macron brachte aber seine Favoritin als neue EZB- Chefin durch, es ist Christine Lagarde. Sie war bis jetzt Chefin des IWF, des Internationalen Währungsfonds. Wenn bis jetzt jemand hoffte, dass es für die Sparer nach Draghi besser werden könnte, der dürfte schwer enttäuscht werden. Jene Länder, die mit dem IWF unter Lagarde zu tun hatten, werden diese Zeit nie vergessen; der IWF steht für beinharte Maßnahmen. Vergessen ist auch nicht, was sie als IWF- Chefin sagte, als es vor zehn Jahren um EU- Finanzhilfen für Griechenland ging, die ja bekanntermaßen gegen den Lissabon- Vertrag verstießen. Sie sagte damals im Gespräch mit dem deutschen Finanzminister über die griechischen Hilfspakete: „Vergessen wir den Vertrag“. Und jetzt soll sie dafür sorgen, dass Verträge und Abkommen eingehalten werden? Lagarde, die Vertraute Macrons, wurde übrigens in ihrer Zeit als französische Wirtschaftsministerin wegen Amtsmissbrauch vor Gericht gestellt und wegen fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern für schuldig gesprochen. Eine vorbestrafte EZB- Chefin.

Und noch etwas für „Verschwörungstheoretiker“: Ursula von der Leyen war heuer zum Bilderberger- Treffen eingeladen. Und bei diesen jährlichen Treffen, so geht das Gerücht, werden „Leute gemacht“. Eine Kommissionspräsidentin eventuell.

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