Am 1. Mai, also am „Tag der Arbeit“, der schon lange auch der „Tag der politischen Schmähtandler“ geworden ist, ist es in Graz zu einem absolut unverständlichen Vorfall gekommen. Wie zu lesen ist, gab es bei den Feierlichkeiten zuerst die üblichen Reden der roten Prominenz mit den üblichen Themen, d. h. Attacken gegen die Regierung, und dann begann eine Band aufzuspielen. Und da passierte Ungeheuerliches. Als das Lied „Hulapalu“ von Gabalier angestimmt wurde, stürmte eine steirische SPÖ- Landesrätin auf die Bühne und untersagte den Musikern, weitere Gabalier- Titel zu spielen. In einer anderen Zeitung ist sogar zu lesen: „Eine SPÖ- Sprecherin soll sich in Graz bei einer Parteiveranstaltung am 1. Mai öffentlich für ein Verbot der Musik von Andreas Gabalier ausgesprochen haben … Einem Bandmitglied zufolge ging eine Sprecherin der SPÖ auf die Bühne und verlangte ein Musikverbot in Graz für Gabalier“.

Etwas anders wird der mehr als peinliche Vorfall von der SPÖ dargestellt. In einer Stellungnahme heißt es: „Die Behauptung, es habe ein Gabalier- Verbot gegeben, ist frei erfunden. Richtig ist vielmehr, dass mit der Musikgruppe im Vorfeld Einvernehmen hergestellt wurde, keine Musik dieses Künstlers zu spielen …“ Und die Band sieht es so: „… Wenn jeder SPÖ- Politiker bei seiner Ansprache von Toleranz spricht und dreißig Minuten später einen großen Künstler beschimpft und somit viele Österreicher beleidigt, dann ist doch jede Ansprache nur warme Luft …“

Was überwiegt hier: Ist es die Peinlichkeit, einen Künstler öffentlich zum „Staatsfeind“ zu erklären? Ist es der in Dummheit ausgeartete politische Übereifer bei der Maifeier, ideologisch weit übers Ziel zu schießen? Ist es ein Vorfall, der wirklich zu denken geben sollte und bei dem sich die Frage aufdrängt: Was kommt wohl als Nächstes? Ob die SPÖ der Band schon vor dem Auftritt untersagte, Gabalier- Lieder zu spielen oder erst während des Auftrittes: Wo ist der Unterschied, was ist moralisch bedenklicher? Der Künstler wurde geächtet, mit einem Bann belegt. Ich glaube nicht, dass es mit Toleranz zu tun hat, Gabalier spielen zu lassen oder auch nicht, da er ja keine intoleranten Ideen bringt, aber mit einer Einschränkung der künstlerischen Freiheit könnte ein Verbot seiner Lieder schon was zu tun haben. Muss man jetzt auch befürchten, dass die SPÖ in Zukunft bestimmte Bücher verbieten will oder gar Bücherverbrennungen angesagt werden? Und der Bundespräsident sagt fast zeitgleich zu diesem SPÖ- Vorfall: „Die Meinungs- und Pressefreiheit ist ein Fundament unserer Demokratie“. Das ist aber nicht als Rüge für die Grazer SPÖ gedacht, die in den Liedtexten zum Ausdruck gebrachte Meinung des Künstlers zu verbieten. Bei diesem Statement schielt der Bundespräsident mit dem linken Auge auf die FPÖ und verwies, ohne Namen zu nennen, auf den Streit zwischen einem FPÖ- Mann und einem ORF- Nachrichtensprecher wegen eines Interviews.

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