Ein Spruch für Glücksspieler hat sich wieder einmal bestätigt: „Wie gewonnen, so zerronnen“ und dieser Spruch trifft auch auf den Ex- Chef der FPÖ, auf H. C. Strache zu. Im Grunde wurde er nicht nur durch kriminelle Machenschaften politischer Feinde und/oder Kriminelle, die ihr Produkt an den meistbietenden Interessenten verkauften, sondern auch durch eigenes Verschulden entthront. Er lieferte den Stoff für das Ibiza- Video. Ja, es ist gewiss so, dass andere Parteien auch über Ideen nachdenken und an Strategien feilen, wie sie ihre künftigen Wahlergebnisse verbessern und ihren politischen Einfluss erhöhen und ausweiten können, aber davon kriegt halt, und das ist der Unterschied, die Öffentlichkeit nichts mit. Und wenn doch einmal ein wenig an die Öffentlichkeit dringen sollte, wird es nicht so hochgepusht wie bei der FPÖ. Es ist wohl als eine Ironie des Schicksals zu verstehen, dass Strache im Ibiza- Video davon sprach, dass eine Zeitung unter bestimmten Voraussetzungen die FPÖ, also seine Partei, pushen würde. Er hat da hoch gepokert – und verloren. Es war ein Hasardspiel, was auf Ibiza lief. Anteile jener Zeitung, um die es im Ibiza- Video ging, sind übrigens auch ohne Zutun Straches in genau die Hände gekommen, von denen er damals sprach. Er bzw. die FPÖ war aber bei der NR- Wahl ganz sicher kein Nutznießer dieses Deals.

Strache hat aber mit dem Ibiza- Video nicht nur sich selbst politisch ruiniert, sondern vermutlich auch seine Frau und ganz sicher die FPÖ. Bei der NR- Wahl hat ja auch ganz massiv die sogenannte „Spesen- Affäre“ eine Rolle gespielt, obwohl es dafür noch keine Beweise für ein schuldhaftes Verhalten Straches gibt. Der Wähler hat aber seine Entscheidung getroffen und die fiel negativ aus. Welche Folgen das für die Zukunft Österreichs haben wird, lässt sich noch nicht einmal erahnen. Man kann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit – eher schon mit Sicherheit – sagen, dass der vielgepriesene „erfolgreiche Weg“, den die türkis- blaue Regierung gegangen ist, nicht fortgesetzt wird, obwohl einige Vorhaben des damaligen Regierungsprogramms noch nicht umgesetzt wurden. Im Gegenteil; einiges, was Türkis- Blau beschlossen hatte, wurde nach dem Sturz der Regierung flugs zurückgenommen. Und was jetzt kommt, muss man erst sehen. Die Stimmen aus der Politik in Österreich und in der EU, die klar und deutlich eine grüne Regierungsbeteiligung bevorzugen, ja schon fordern, werden mehr und sie werden lauter. Dass da der Bundespräsident – als ehemaliger Grünen- Chef – auch dazu gehört, für eine Partei Stellung bezieht, verwundert eigentlich nicht.

Viele dieser Stimmen, die jetzt mit Ratschlägen für eine Koalition zur Stelle sind, bejubeln Kurz wegen seines Wahlsieges und selbst aus den USA war von einer zweiten Chance für Kurz die Rede. Nur die Behauptung, dass er die Rechtspopulisten entzauberte, ist doch etwas übertrieben. Die FPÖ – ob das Rechtsextremisten sind, wie auch geschrieben wird, darüber lässt sich streiten – hat sich selbst entzaubert. Und mit einer Regierung mit grüner Beteiligung wird Österreich noch EU- höriger werden, wird sich vieles ändern. Es werden dann viele Menschen nicht glauben können, was in Österreich alles möglich ist.

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