In Deutschland ist Joachim Gauck wieder in den Medien. Jener Joachim Gauck aus der ehemaligen DDR, der gleich nach der Wende, im Oktober 1990, zum Chef der nach ihm benannten „Gauck- Behörde“ ernannt wurde und bis Oktober 2000 bei dieser Behörde die schriftliche Hinterlassenschaft des DDR- „Ministeriums für Staatssicherheit“ (MfS) verwaltete und zugänglich machte. Und zumindest theoretisch auch die Möglichkeit hatte, so manches Belastende verschwinden zu lassen. Und von März 2012 bis März 2017 war Joachim „der Gauckler“ Gauck sogar Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Bekanntheit erlangte er auch wegen seines Familienlebens. Verheiratet seit 1959, aber nicht geschieden. Von 1990 bis 1998 eine Lebensgefährtin, die später auch noch seine Vertraute und Beraterin war (oder auch noch ist) und seit 2000 eine Lebensgefährtin, mit der er zusammenlebt. Für einen ehemaligen Pastor und einen ehemaligen Bundespräsidenten ein doch eher ungewöhnlicher Abschnitt einer Biografie. So manche Leute meinen deshalb, dass er nicht gerade der Idealvorstellung einer moralischen Instanz entspräche.

Und jetzt macht er eben wieder von sich reden. Gauck, der offiziell als Parteiloser von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt wurde, macht jetzt unverhohlen Werbung für die CDU. In einem Interview meinte er, es sei auffällig, „dass gewisse Themen nicht ausreichend von der Regierung versorgt wurden“ und bezog sich dabei auf die Massenmigration von 2015 und 2016 und er sprach sich für eine erweiterte Toleranz in Richtung rechts aus, also in Richtung AfD. Die CDU, so forderte Gauck jetzt, müsse für die Konservativen „wieder Heimat werden“, denn „seitdem die CDU sozialdemokratischer wurde, sind sie heimatlos geworden“.

In Deutschland ist es anscheinend genau so wie überall sonst; wenn die Leute von der Politik weg sind, kommen die meisten wieder zur Vernunft, können sie wieder klar denken. Allerdings nicht alle. Wenn Gauck jetzt dafür wirbt, die Ausgrenzung und Verdammung der AfD zumindest zum Teil zu beenden, ist das jedenfalls zu begrüßen und wenn er meint, AfD- Leute wären bei der CDU besser aufgehoben, dann ist das eben seine Ansicht. In Österreich ist die Ausgrenzung der FPÖ eine ähnliche Sache. Durch den Ibiza- Skandal ist aber ein Ende der Ausgrenzung vielleicht etwas schwieriger geworden. „Vielleicht“ deshalb, weil es ja im Parlament in den letzten Tagen sogar zu Bündnissen zwischen SPÖ und FPÖ kam. Und ein österreichischer Ex- Bundespräsident Fischer würde öffentlich eher zu gleichgeschlechtlichem Geschlechtsverkehr aufrufen oder zur Verbrüderung der SPÖ mit der nordkoreanischen Kommunistischen Partei als zu einer „erweiterten Toleranz in Richtung rechts“, in Richtung FPÖ.

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