Da gab es einst in Österreich die Gewerkschaftsbank BAWAG. Diese seriöse Bank betrieb schon in den Neunziger- Jahren spekulative Geschäfte in der Karibik, echte „Zockergeschäfte“. Und die BAWAG arbeitete auch schon in den Neunziger- Jahren mit einer US- Investmentfirma zusammen, stieg mit 10 Prozent bei diesem Broker ein. Und da gab es einen BAWAG- Vorstandsvorsitzenden namens Walter Flöttl, der 1995 von Elsner abgelöst wurde und den Flöttl- Sohn namens Wolfgang, der in den USA in die Eisenhower- Dynastie eingeheiratet hatte und der bei den BAWAG- Geschäften in der Karibik, nennen wir es das „Bermuda- Dreieck“, kräftig mitmischte. Die Geschäfte liefen gut für die Gewerkschaftsbank. Die Bank hatte Anlageprodukte im Angebot, die überdurchschnittliche Erträge brachten und viele fragten sich: „Wie macht das die BAWAG?“

Dann kam aber der Oktober 2005 und alles wurde anders. Da kam aus den USA ein Hilferuf der BAWAG- Partnerfirma, der Investmentfirma und des Derivatehändlers Refco; eigentlich dürfte es schlicht und einfach eine Anweisung gewesen sein, die „man einfach nicht verweigern konnte“. Die BAWAG tat, wie geheißen und überwies nicht sprichwörtlich, sondern tatsächlich über Nacht, von heute auf morgen, ohne lange zu fragen 350 Millionen Euro, als Kredit, an die Firma Refco. Das waren angeblich 10 Prozent des BAWAG- Kapitals und die Gewerkschaftsbänker bekamen 34 Prozent der Refco- Aktien dafür als Sicherheit. Deren Wert beschränkte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings schon auf den Papierwert, mehr nicht. Der Repco- Chef wurde nämlich am Tag darauf oder am übernächsten Tag wegen Bilanzfälschung festgenommen, das Unternehmen machte Pleite und der Firmenchef sitzt heute noch im Gefängnis und dort wird er auch noch lange sitzen. Das alles schlug in Österreich wie eine Bombe ein. Das Geld der BAWAG war weg und aus den USA gab es Klagsforderungen in Milliardenhöhe. Der Bank kostete das Karibik- Abenteuer letztendlich irgendwas jenseits 2 Milliarden; so genau weiß man das nicht. Die Bank war pleite und wurde, Ironie der Geschichte, an eine der früher öffentlich geschmähten „Finanz- Heuschrecken“, einen US- Fonds, verkauft. (Mit diesem neuen BAWAG- Eigentümer kämpft übrigens die Stadt Linz seit Jahren um hunderte Millionen Euro rund um einen Swap.) Zwischenzeitlich gab es peinliche öffentliche Auftritte österreichischer Politiker bei der Eröffnung eines BAWAG- Kontos, als Zeichen der Solidarität sozusagen. In Österreich gab es dann einige Anklagen und einige Prozesse, die sich über Jahre hinzogen. Der BAWAG- Chef Elsner bekam letztendlich 10 Jahre Haft, für andere Angeklagte gab es alles von 5 Jahren Haft bis zum Freispruch. Für Wolfgang Flöttl, der als Hauptakteur bei den Spekulationsgeschäften galt und dem vorgeworfen wurde, einen Schaden von etwa 1,5 Milliarden verursacht zu haben, gab es ebenfalls einen Freispruch. Das Geld tauchte nie mehr auf, es blieb „verschollen im Bermuda- Dreieck“. Und Elsner sagte: „Flöttl hat mindestens eine Milliarde gestohlen“. Die ganze BAWAG- Geschichte war jedenfalls auch ein politischer Prozess und es lief nicht alles optimal ab. Eine österreichische Zeitung sprach in dem Zusammenhang von einem „politischen Schweigekartell“.

Und jetzt endete der letzte BAWAG- Prozess; mit Freisprüchen. Damit wurde ein Schlussstrich unter eine schwer kriminelle Geschichte mit Milliardenschaden gezogen. Eine Geschichte, von der niemand mehr was hören wollte. Eine Geschichte, bei der das Interesse an Aufklärung beschränkt schien oder eine Aufklärung be- oder gar verhindert wurde.